In Bay Head an der Küste von New Jersey in den USA wächst der Streit über gezieltes Haifischen vom Strand. Wie die New York Post berichtet, warnt Bürgermeister Bill Curtis davor, dass blutige Fischköder Haie in die Nähe von Badegästen locken könnten. Einen aktuellen Haiangriff meldet der Bericht nicht.
Curtis beschreibt ein mögliches Risikoszenario, keinen bereits nachgewiesenen Unfall. Seine Warnung richtet sich gegen das Ausbringen von Ködern in Bereichen, in denen gleichzeitig Familien schwimmen. Wie stark diese Praxis die Position einzelner Haie vor Bay Head tatsächlich verändert, wurde im Bericht nicht gemessen.
Kajaks und Drohnen bringen Köder nach draußen
Nach Angaben des Bürgermeisters nutzen manche Angler Kajaks oder Drohnen, um blutige Köderfische weiter draußen im Wasser abzusetzen. Nicht gefressene Reste könnten anschließend mit Wind und Strömung näher an den Strand treiben. Curtis sagt, er habe solche Köderaktionen auch tagsüber selbst beobachtet.
Der Bericht nennt mindestens vier gefangene Bullenhaie und einen Tigerhai. Die Tiere wurden beim Brandungsangeln an der Jersey Shore legal an Land gebracht. Ein Anbieter von Hai-Angeltouren betont zugleich, dass sein Team vorwiegend nachts arbeitet, wenn die Strände leer sind, und gefangene Haie nach dem Entfernen des Hakens wieder freilässt.
Damit richtet sich die Kritik nicht pauschal gegen jede Form des Haifischens. Im Mittelpunkt stehen Ort, Zeitpunkt und Umgang mit dem Köder. Laut Curtis ist das Anfüttern zwar aus seiner Sicht unverantwortlich, derzeit aber nicht verboten. Eine Resolution der Gemeinde fordert Angler lediglich auf, staatliche und bundesweite Vorschriften einzuhalten.
Anlockung ist nicht dasselbe wie Bestandszunahme
Geruchsstoffe aus Köderfisch können Haie in der näheren Umgebung auf eine mögliche Nahrungsquelle aufmerksam machen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass Ködern die Zahl der Haie in der gesamten Region erhöht. Entscheidend wären Entfernung zum Badestrand, Strömung, Ködermenge, Dauer und die bereits vorhandenen Tiere.
Zugleich finden Haie im Atlantischen Ozean natürliche Nahrung. Große Ansammlungen von Tintenfischen und Sandaalen werden als mögliche Erklärung dafür genannt, dass Räuber nahe an der Küste jagen. Wärmeres Wasser kann außerdem beeinflussen, wann einzelne Arten eintreffen und wie lange sie in nördlichen Küstengewässern bleiben.
Ein Biologe von New Jersey Fish and Wildlife berichtete von außergewöhnlich häufigen Meldungen über Bullenhaie. Solche Meldungen und einzelne Fänge sind wichtige Hinweise, aber kein standardisierter Bestandsindex. Mehr Angler, mehr öffentliche Aufmerksamkeit oder besonders gute Fangbedingungen können die Zahl der dokumentierten Nachweise ebenfalls erhöhen.
Die Haiangriffe von 1916 sind kein direkter Vergleich
Die zugespitzte Debatte greift immer wieder auf die Angriffserie von 1916 zurück. Damals wurden an der Küste und im Matawan Creek innerhalb von zwölf Tagen fünf Menschen angegriffen; vier starben. Welche Art verantwortlich war, ist bis heute umstritten. Diskutiert werden vor allem Weißer Hai und Bullenhai.
Diese historischen Ereignisse prägten später die Erzählung rund um „Jaws“. Sie sind aber kein Beleg dafür, dass sich 2026 dieselbe Situation wiederholt. Bis zum Veröffentlichungstag am 8. August meldete der Artikel für den laufenden Sommer zahlreiche Sichtungen, jedoch keine Haiangriffe an der Jersey Shore.
Bullenhai und Tigerhai richtig einordnen
Bullenhaie können küstennahes und sehr flaches Wasser nutzen und zeitweise auch in Brack- oder Süßwasser vordringen. Tigerhaie sind ebenfalls große, weit wandernde Küsten- und Hochseehaie. Beide Arten verdienen in belebten Badegebieten Aufmerksamkeit, doch ihre Anwesenheit allein bedeutet nicht, dass ein Angriff bevorsteht.
Auch ein Fang beweist nicht, dass das Tier ohne den Köder Menschen gefährdet hätte. Haken, Drill und die Landung im Brandungsbereich schaffen vielmehr eine zusätzliche Interaktion: Der Hai wird in Strandnähe gebunden, Menschen nähern sich dem Tier, und für den Hai entstehen Stress und mögliche Verletzungen.
Verantwortungsvolles Fang-und-Freilassen reduziert einige dieser Belastungen, beseitigt sie aber nicht vollständig. Besonders wichtig sind Abstand zu Schwimmern, eine kurze Drill- und Handhabungszeit, geeignetes Gerät und das zügige Freilassen im Wasser. Die konkrete Rechtslage und Artenschutzvorgaben müssen Angler vor Ort prüfen.
Bay Head kann bislang nur zur Vorsicht aufrufen
Nach Darstellung des Bürgermeisters fehlen der Gemeinde derzeit rechtliche Mittel, um die beanstandete Praxis grundsätzlich zu stoppen. Rettungsschwimmer beobachten die Badebereiche, während die kommunale Resolution auf die Einhaltung bestehender Regeln verweist. Eine verbindliche räumliche Trennung legt sie laut Bericht nicht fest.
Für eine sachliche Lösung wären klar definierte Zeiten und Bereiche für das Haifischen, Mindestabstände zu bewachten Badezonen sowie Regeln für Köderausbringung und Köderreste denkbar. Das sind mögliche Instrumente, keine bereits beschlossenen Vorschriften von Bay Head. Ihre Ausgestaltung müsste Fischerei, Tierschutz und Badesicherheit gemeinsam berücksichtigen.
Badegäste sollten Warnungen und Anweisungen der Rettungsschwimmer beachten und Abstand zu erkennbaren Angelplätzen, Ködern oder gehakten Tieren halten. Angler wiederum können Konflikte vermeiden, indem sie nicht neben aktiven Badebereichen ködern und ihre gesamte Ausrüstung sowie Köderreste wieder mitnehmen.
Der Fall Bay Head ist damit vor allem ein Konflikt über die Nutzung desselben Küstenraums. Dokumentiert sind legale Fänge, Ködermethoden und eine politische Warnung. Nicht belegt ist bislang, dass diese Praxis bereits einen Angriff verursacht oder einen regionalen Anstieg der Haibestände ausgelöst hat.



