Am Grand Coude de Kélé zwischen Bourail und Moindou ist am 3. Januar 2026 ein 35-jähriger Gerätetaucher von einem Hai schwer verletzt worden. Das Tier biss ihn während des Aufstiegs zweimal in Arme und Handgelenke. Der Mann überlebte nach einer schnellen Rettung und einer sofortigen Operation im Médipôle.
Der Angriff ereignete sich nach Angaben von Les Nouvelles Calédoniennes gegen Mittag außerhalb des Barriereriffs, einige Dutzend Meter im offenen Blauwasser nahe der Kélé-Passage. Der Taucher war mit einer Gruppe unterwegs. Sein Name wurde in den belastbaren Berichten nicht veröffentlicht.
Eine Rettungskette vom Riff bis zum Operationssaal
Eine Patrouille der Naturwacht der Südprovinz befand sich zufällig in der Nähe. Die Besatzung übernahm den Verletzten von seinem Tauchboot. Nach Aussage eines beteiligten Naturwächters blieb er während der Fahrt ansprechbar.
An Bord wurden die Blutungen mit Verbänden und einem Tourniquet behandelt. Die Naturwacht brachte den Mann zum Anleger von Roche Percée, wo Feuerwehr und SAMU die Versorgung übernahmen. Anschließend flog ihn ein Hubschrauber zum Médipôle bei Nouméa.
Der Taucher wurde noch am Samstagnachmittag operiert. Sein Zustand war ernst, die Lebensgefahr nach den veröffentlichten Angaben am Abend aber gebannt. Die Südprovinz erklärte, das schnelle Eingreifen der Naturwacht habe wahrscheinlich entscheidend zu seinem Überleben beigetragen.
Spätere Prüfung spricht für einen drei Meter langen Bullenhai
In den ersten Meldungen war die Haiart noch unbekannt. Der Verletzte selbst gab während der Evakuierung an, einen Bullenhai (Carcharhinus leucas) erkannt zu haben. Einige Tage später berichtete eine Weiterleitung des France-TV-Berichts, ein Facharzt habe die Artbestimmung bestätigt; das Tier sei etwa drei Meter lang gewesen.
Kurz vor dem Angriff hatte ein Speerfischer rund einen Kilometer entfernt eine aggressive Begegnung mit einem mutmaßlichen Bullenhai gemeldet. Der zeitliche und räumliche Zusammenhang stützt die Artbestimmung, beweist aber nicht, dass es dasselbe Tier war. Geschlecht und Identität des beteiligten Hais sind nicht sicher dokumentiert.
War der Angriff provoziert? Die Quellen widersprechen sich
Nach dem Vorfall entstand eine Debatte über das sogenannte Flaschenknacken. Dabei wird eine Plastikflasche unter Wasser zusammengedrückt, um Geräusche zu erzeugen und Haie anzulocken. Nouvelle-Calédonie la 1ère griff Aussagen auf, wonach diese Technik während der Ausfahrt eingesetzt worden sein könnte.
Ein belastbarer Nachweis dafür, dass die Methode unmittelbar vor dem Biss angewendet wurde oder den Angriff auslöste, liegt jedoch nicht vor. Die veröffentlichten Berichte belegen keinen solchen Ursachenzusammenhang. Der Vorfall wird deshalb in den Angriffsdaten als fraglich und nicht eindeutig als provoziert oder unprovoziert geführt.
Der erste von drei schweren Vorfällen im Jahr 2026
Der Biss vor Bourail war der erste der drei bis August dokumentierten schweren Haiangriffe des Jahres in Neukaledonien. Es folgten der tödliche Angriff auf einen Wingfoiler am 22. Februar und der schwere Angriff auf den Va’a-Paddler Lywaï Manate am 15. April. Nur der Vorfall im Februar endete tödlich.
Diese Abfolge wurde zu einem wichtigen Hintergrund der späteren formellen Anhörungen zur Koexistenz von Menschen und Haien in Nouméa. Die drei Fälle unterscheiden sich jedoch deutlich in Ort, Aktivität, Ausgang und möglicher Vorgeschichte. Sie sollten daher nicht wie drei Wiederholungen desselben Ablaufs behandelt werden.
Der Grand Coude de Kélé ist ein bekannter Tauchplatz am Außenriff des Pazifischen Ozean. Ein einzelner Angriff belegt weder ein generell erhöhtes Risiko beim Gerätetauchen noch eine Bestandszunahme großer Haie. Er zeigt aber, wie entscheidend eine vorbereitete Rettungskette und klare Regeln gegen das gezielte Anlocken von Tieren sein können.


