Seidenhaie und Sandbankhaie nutzen die Riffe und untermeerischen Bänke vor Texas auf unterschiedliche Weise. Eine neue Studie in Frontiers in Marine Science zeichnet ihre Bewegungen im nordwestlichen Golf von Mexiko nach und zeigt, dass Schutzgebiete, benachbarte Bänke und künstliche Riffe gemeinsam ein vernetztes Habitat bilden.
Das Team versah 23 Seidenhaie (Carcharhinus falciformis) und 22 Sandbankhaie (Carcharhinus plumbeus) mit akustischen Sendern. Die Daten decken den Zeitraum von August 2022 bis Oktober 2025 ab. Ausgewertet wurden Empfänger an 17 Bänken innerhalb des Flower Garden Banks National Marine Sanctuary, vier Bänken außerhalb des Schutzgebiets und 14 künstlichen Riffen.
Wie akustische Telemetrie Haibewegungen sichtbar macht
Ein akustischer Sender übermittelt eine individuelle Kennung. Schwimmt ein markierter Hai in Reichweite eines Empfängers, wird der Kontakt gespeichert. So lassen sich wiederholte Besuche und Verbindungen zwischen Standorten erkennen. Das Verfahren zeigt jedoch nicht jede Position eines Tieres: Eine Phase ohne Nachweis kann auch bedeuten, dass der Hai außerhalb der Empfängerreichweite war.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenDas NOAA-Webinar zum Telemetrieprojekt aus dem Jahr 2024 erläutert das eingesetzte Unterwasser-Akustiknetz und die Frage, wie Fische die Riffe und Bänke des Schutzgebiets auf großen und kleinen räumlichen Skalen nutzen.
Seidenhaie wechseln ihre Schwerpunkte saisonal
Bei den Seidenhaien zeigte sich eine variable Vernetzung der Standorte. Natürliche Bänke wurden besonders im Winter und Frühjahr bevorzugt. Zugleich wiesen die Empfänger eine Nutzung künstlicher Riffe nach, mit einem deutlichen Muster im Sommer und Nachweisen, die sich nicht auf eine einzige Jahreszeit beschränkten.
Das ergänzt das bekannte Bild einer stark pelagischen Art. Seidenhaie leben zwar vor allem im offenen warmen Meer, können aber Strukturen wie Inselhänge, Bänke und künstliche Riffe gezielt nutzen. Die Studie beschreibt keine einfache Ganzjahresresidenz an einem einzelnen Riff, sondern ein räumlich und zeitlich wechselndes Netzwerk.
Sandbankhaie waren ganzjährig nachweisbar
Sandbankhaie wurden dagegen über das ganze Jahr hinweg sowohl an natürlichen Bänken als auch an künstlichen Habitaten registriert. Ihre Bewegungen reichten zudem häufiger über das lokale Empfängernetz hinaus: 46 Prozent der nachgewiesenen Sandbankhaie wurden auch außerhalb des Akustiknetzes des Schutzgebiets registriert. Bei den nachgewiesenen Seidenhaien waren es neun Prozent.
Dieser Vergleich betrifft ausschließlich die markierten und tatsächlich erfassten Tiere. Er bedeutet weder, dass 46 Prozent des gesamten Sandbankhai-Bestands das Schutzgebiet verlassen, noch erlaubt er einen direkten Schluss auf Bestandsgröße oder Populationsentwicklung. Er zeigt aber, dass die erfassten Sandbankhaie im Untersuchungszeitraum räumlich stärker mit Gebieten jenseits des lokalen Netzes verbunden waren.

Ein Schutzgebiet ist Teil eines größeren Netzes
Für das Management ist vor allem das Zusammenspiel der Standorte wichtig. Die Bänke innerhalb des Schutzgebiets, natürliche Bänke außerhalb seiner Grenzen und künstliche Riffe funktionieren nicht unabhängig voneinander. Mobile Haie verbinden diese Lebensräume und können dabei mehrfach Verwaltungs- und Schutzgrenzen überschreiten.
Damit liefert die Arbeit keine Begründung gegen Meeresschutzgebiete. Sie macht vielmehr sichtbar, welche Ergänzungen räumlicher Schutz benötigt: abgestimmtes Fischereimanagement außerhalb der Grenzen, den Erhalt wichtiger Korridore und eine Beobachtung künstlicher Strukturen, die ebenfalls als Habitat dienen können.
Die vollständige Fassung steht noch aus
Frontiers führt die Arbeit als am 21. August 2026 angenommen. Zum Zeitpunkt dieser Berichterstattung ist die final formatierte Vollfassung noch nicht verfügbar. Deshalb lassen sich Details wie Alters- und Größenverteilung der markierten Tiere, individuelle Beobachtungsdauer, Reichweitenunterschiede der Empfänger oder die statistische Modellierung noch nicht unabhängig aus Methoden- und Ergebnisteil prüfen.
Die im Abstract veröffentlichten Resultate sind dennoch klar: Beide Arten nutzen ein Habitatmosaik, aber nicht nach demselben Muster. Gerade diese artspezifischen Unterschiede sind entscheidend, wenn Schutz nicht nur Flächen ausweisen, sondern die tatsächlichen Bewegungen mobiler Meerestiere berücksichtigen soll.



