Fischsammler, sogenannte Fish Aggregating Devices (FADs), bündeln nicht nur Fische für die Fischerei. Gehen sie verloren oder bestehen sie aus Netzen und Leinen, können sie zu langlebigem Geisternetzen werden. ein neuer Bericht der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) beschreibt dieses Problem für das Mittelmeer und nennt Haie und Rochen ausdrücklich unter den gefährdeten Tiergruppen.
Im Mittelmeer werden überwiegend verankerte FADs eingesetzt, unter anderem für die saisonale Goldmakrelenfischerei. Schwimmkörper, Taue, Netzmaterial und Gewichte locken Tiere an und markieren Fangplätze. Werden diese Konstruktionen nicht geborgen, bleiben Kunststoff und Fangmaterial im Meer.
Rund 60.000 FADs pro Jahr
Der Bericht trägt gemeldete Zahlen aus Spanien, Italien, Malta, Tunesien und Libyen zusammen. Daraus ergeben sich 59.507 FADs pro Jahr: 1.360 in Spanien, 10.440 in Italien, 23.800 in Malta, 17.247 in Tunesien und 6.660 in Libyen. Weil Daten aus weiteren Mittelmeerstaaten fehlen, ist dies keine vollständige Inventur.
Nach den ausgewerteten Quellen wird der Großteil der Geräte am Ende der Saison nicht wieder eingesammelt. Eine ältere Untersuchung schätzte den Anteil verlorener oder aufgegebener FADs auf 76 Prozent. Über mehrere Jahrzehnte könnten sich dadurch mehr als eine Million zurückgelassene Konstruktionen angesammelt haben. Diese Hochrechnung ist mit erheblichen Datenlücken verbunden, zeigt aber die mögliche Größenordnung.
Warum FADs für Haie relevant sind
Vor allem herabhängendes Netzmaterial kann Haie und Rochen anlocken und zugleich verfangen. Der CMS-Bericht verweist auf Arten, die selbst unter dem Schutz der Konvention stehen. Ein verlorenes Gerät kann außerdem weiterfangen, lange nachdem es für die Fischerei keinen Nutzen mehr hat.
Wie groß das Risiko sein kann, zeigt eine oft zitierte Studie aus dem Indischen Ozean: Sie schätzte, dass sich dort jährlich 480.000 bis 960.000 Seidenhaie in treibenden FADs verfangen. Das ist ausdrücklich keine Schätzung für das Mittelmeer. Der CMS-Bericht nutzt sie als internationale Evidenz dafür, dass netzartige FAD-Konstruktionen für Haie eine erhebliche Gefahr darstellen können.
Auch die FAD-assoziierte Fischerei im Pazifik zeigt, dass FADs und die an ihnen operierende Ringwadenfischerei Haie nicht nur durch Verheddern, sondern zusätzlich durch Beifang belasten können. Im Mittelmeerbericht steht dagegen vor allem der Zusammenhang mit Meeresmüll im Mittelpunkt.
Nicht verheddernd, ungiftig und rückholbar
Als Gegenmaßnahmen empfiehlt der Bericht FADs ohne offenes Netzmaterial, biologisch abbaubare und ungiftige Bauteile sowie stabilere, wiederverwendbare Verankerungen. Markierungen, bessere Meldedaten, Rückholprogramme und klare Zuständigkeiten sollen außerdem verhindern, dass verlorene Geräte dauerhaft herrenlos bleiben.
Entscheidend ist die Umsetzung: Nicht verheddernde Bauweisen können den unbeabsichtigten Fang von Haien und anderen Meerestieren deutlich verringern, lösen aber das Müllproblem nur dann, wenn Geräte erfasst, gewartet und geborgen werden. Die Zusammenfassung des Autors betont deshalb neben technischen Änderungen auch verbindliche Regeln und bessere Kontrollen.


