Dieser Artikel erschien am 20. August 2025 und wurde am 27. September 2026 aktualisiert.
Update vom 27. September 2026
Die ausgeweitete Winterüberwachung in New South Wales verzeichnete im Juli und August mehr als 1.200 Hai-Detektionen und 360 Interventionen. Das berichtet der Sydney Morning Herald am 27. September unter Berufung auf neu veröffentlichte Regierungsdaten. Zu den Interventionen zählen Warnsignale, Jetski-Einsätze und Strandräumungen; die Zahl steht nicht für 360 verhinderte Haiangriffe.
Die bereits angekündigte Ausweitung auf 73 Drohnen an 97 Stränden begleitet die Frühjahrs- und Sommerferien. Laut Bericht wird außerdem ein KI-Versuchssystem vorbereitet, das Piloten beim Erkennen und Bestimmen von Haien unterstützen soll. Ein flächendeckender KI-Betrieb ist damit noch nicht belegt.
Mehr Beobachtungsstunden können mehr Sichtungen liefern, ohne dass der Haibestand gewachsen ist. Detektionen sind zudem keine Zählung verschiedener Individuen. Der bisherige Beitrag zur Artbestimmung per Drohne bleibt deshalb für die Einordnung wichtig: Auch die Artbestimmung aus der Luft kann fehlerhaft sein.
Update vom 1. September 2026: Netze kehren an 51 Strände zurück
Die Regierung von New South Wales führt den in diesem Beitrag beschriebenen Entfernungstest in der Saison 2026/27 nicht fort. Laut dem neuen Maßnahmenpaket werden seit dem 1. September wieder Hainetze an allen 51 Programmstränden zwischen Newcastle und Wollongong installiert. Die Saison läuft bis zum 31. März 2027. Damit bleibt keiner der drei Teststandorte aus Waverley, Northern Beaches und Central Coast in der neuen offiziellen Übersicht netzfrei.
Parallel baut NSW die nichttödliche Überwachung stark aus: 73 Drohnen sollen 97 Strände kontrollieren und im Jahr mehr als 300.000 Überwachungsstunden leisten. Hinzu kommen 305 SMART-Drumlines zwischen Tweed Heads und Bega sowie zwei neue akustische Empfangsstationen im Sydney Harbour. Die Flugzeiten werden ab September verlängert; in den Schulferien ab dem 26. September wird das Programm nochmals ausgeweitet. Eine frühere Haitauchen-Auswertung zeigt zugleich, dass die Artbestimmung per Drohne im Echtzeitbetrieb nicht fehlerfrei ist.
Humane World for Animals Australia kritisiert die Rückkehr der Netze als überholte, ungezielte Methode neben der inzwischen sehr umfangreichen Drohnentechnik. Netze bilden keine geschlossene Barriere und können auch Delfine, Schildkröten, Rochen und Nichtzielhaie fangen. Die Regierung bezeichnet ihr Gesamtprogramm dagegen als evidenzbasierten Maßnahmenmix, veröffentlicht in der aktuellen Mitteilung aber keinen direkten Vergleich, welcher zusätzliche Sicherheitsbeitrag allein den Netzen gegenüber Drohnen, Warnstationen und SMART-Drumlines zugerechnet werden kann.
Die neue Saison verändert deshalb die Bilanz des ursprünglichen Pilotprojekts: Der Verzicht wurde nicht dauerhaft auf weitere Strände übertragen. Stattdessen setzt NSW wieder auf eine Kombination aus Netzen und stark ausgebauter Technik. Ob dieser Mix die Sicherheit verbessert und wie viele Nichtzieltiere gefangen werden, lässt sich erst mit den Fang-, Einsatz- und Zwischenfalldaten der Saison 2026/27 bewerten.
Hai-Netze sind rund 150 Meter lang und liegen mehrere Hundert Meter vor der Küste im Wasser. Anders als viele Strandbesucher glauben, bilden sie keine Barriere. Haie können problemlos unter oder über die Netze schwimmen. Rund 40 Prozent der gefangenen Tiere verheddern sich sogar auf der strandseitigen Innenseite, was bedeutet, dass sie die Badezone bereits erreicht hatten. Zudem töten die Netze nicht nur Haie, sondern auch Delfine, Meeresschildkröten und andere Meerestiere – völlig wahllos.
Alternativen zum Töten von Haien
Australien setzt seit einigen Jahren auf moderne, nicht-tödliche Methoden wie Drohnensurveillance, SMART-Drumlines (bei denen Haie gefangen, markiert und wieder freigelassen werden), Echtzeit-Meldesysteme sowie Aufklärung der Öffentlichkeit. Staaten wie Südaustralien oder Westaustralien haben Hai-Netze bereits abgeschafft und setzen ausschließlich auf diese Ansätze.
In Queensland dagegen wird die Nutzung von Netzen und Köderleinen zuletzt sogar noch ausgeweitet – ein Vorgehen, das von Experten als politisch motivierter „harter Kurs“ gegenüber Haien kritisiert wird.

Gesellschaftliche Haltung im Wandel
Studien zeigen, dass die Angst der Bevölkerung vor Haien zwar konstant hoch bleibt, aber die Unterstützung für tödliche Maßnahmen abnimmt. Viele Menschen wussten bislang nicht, dass Netze dazu gedacht sind, Haie zu töten, und nicht, um sie fernzuhalten. Neuere Forschungen zeigen zudem, dass es keinen Unterschied bei Hai-Begegnungen zwischen Stränden mit oder ohne Netze gibt.
Seltene Vorfälle – andere Gefahren größer
Zwischen 2015 und 2025 kam es in Australien im Schnitt zu etwa 20 Verletzten und knapp drei Todesfällen pro Jahr durch Haiangriffe. Im gleichen Zeitraum starben allein im vergangenen Jahr 150 Menschen beim Baden durch Ertrinken, davon 84 an Stränden. Statistisch gesehen ist die Gefahr durch Haie also sehr gering im Vergleich zu anderen Risiken am Meer.
Ein erster Schritt mit Signalwirkung
Die Auswahl der Strände für den Testlauf obliegt den lokalen Gemeinden, die bis Ende August ihre Vorschläge an die Regierung übermitteln sollen. Experten sehen in der Initiative einen wichtigen Wendepunkt: Sie schafft die Möglichkeit, der Bevölkerung die Vorteile moderner Schutzmethoden zu vermitteln und gleichzeitig den Schutz bedrohter Meerestiere zu stärken.

