Fischereiverbot stärkt Lebensraum der Sandtigerhaie

Im australischen Cod Grounds Marine Park waren Fischreichtum und Fischzahl höher als an befischten Vergleichsriffen. Auch potenzielle Beutefische der stark bedrohten Sandtigerhaie waren im Schutzgebiet rund 55 Prozent häufiger.

Sharky10. Juli 2026
Sandtigerhai Carcharias taurus von vorne
Lawrence Hylton, CC BY 4.0, via iNaturalist

Ein kleines Meeresschutzgebiet vor der australischen Ostküste schützt nicht nur einen bekannten Sammelplatz stark bedrohter Sandtigerhaie. Dort leben auch mehr Fischarten, deutlich mehr Fische und mehr potenzielle Beute für die Haie als an nahe gelegenen Riffen, an denen gefischt werden darf. Das zeigt eine neue Studie zum Cod Grounds Marine Park in New South Wales.

Vier Quadratkilometer Schutz für einen wichtigen Sammelplatz

Der Cod Grounds Marine Park liegt rund 5,5 Kilometer vor der mittleren Nordküste von New South Wales. Das nur etwa vier Quadratkilometer große Schutzgebiet umfasst felsige Unterwasserkuppen in ungefähr 20 bis 40 Metern Tiefe. Entnehmende Nutzungen wie die Fischerei sind dort verboten.

Für Sandtigerhaie ist dieser Ort besonders wichtig. In Australien heißt Carcharias taurus meist Grey Nurse Shark; gemeint ist dieselbe Art, die im Deutschen Sandtigerhai und in Südafrika Ragged-tooth Shark genannt wird. Die ost-australische Population gilt als stark bedroht. Sie erholt sich nur langsam, weil Sandtigerhaie spät geschlechtsreif werden und nur wenige Jungtiere hervorbringen.

Die Tiere ziehen entlang der Küste und wechseln zwischen verschiedenen Sammelplätzen. An geeigneten Felsriffen zeigen sie jedoch eine ausgeprägte Ortstreue. Solche Plätze bieten Schutz und spielen in mehreren Lebensphasen eine wichtige Rolle. Zugleich sind viele davon bei Tauchern und Anglern beliebt.

220 Unterwasservideos an geschützten und befischten Riffen

Um die Fischgemeinschaften zu vergleichen, nutzte das Forschungsteam beköderte Unterwasserkameras, sogenannte BRUV-Systeme. Zwischen April 2015 und August 2018 fanden sieben Erhebungen statt. Untersucht wurden Riffplätze innerhalb des Marineparks sowie vier nahe gelegene Vergleichsplätze, an denen Fischerei erlaubt war.

Je Einsatz lockten rund 500 Gramm Sardinen Fische vor die Kamera. Die Forschenden werteten 220 Videoeinsätze aus und verwendeten als Maß die höchste Zahl gleichzeitig sichtbarer Tiere einer Art. Dadurch wird das Risiko verringert, denselben Fisch mehrfach zu zählen. Insgesamt erfassten die Kameras 114 Fischarten aus 54 Familien.

Sehr große Schwärme dreier im freien Wasser lebender Planktonfresser wurden aus den Analysen ausgeschlossen. Ihre stark wechselnde Verteilung hätte Unterschiede bei den eigentlichen Rifffischgemeinschaften überdecken können.

50 Prozent mehr Fische im Schutzgebiet

Die Unterschiede waren deutlich. Pro Untersuchungsplatz fanden die Forschenden im Schutzgebiet durchschnittlich 15,18 Arten, außerhalb 13,72. Das entspricht rund neun Prozent mehr Arten. Noch größer war der Abstand bei der Gesamtzahl: Innerhalb des Marineparks lag der mittlere Wert bei 50,76 Fischen, an den befischten Riffen bei 32,58 – ein Plus von etwa 50 Prozent.

Am stärksten reagierten Arten, die kommerziell oder in der Freizeitfischerei gefangen werden. Dazu zählten unter anderem der australische Snapper und der Gelbschwanz-Königsfisch. Aber auch nicht gezielt befischte Arten waren innerhalb des Schutzgebiets häufiger. Das spricht dafür, dass ein Fangverbot nicht nur einzelne Zielarten, sondern breitere ökologische Prozesse im Riff beeinflussen kann.

Auch Temperatur und Sichtweite im Wasser wurden geprüft. Sie erklärten die gemessenen Unterschiede bei Artenzahl, Gesamtmenge und potenzieller Haibeute nicht. Der Schutzstatus blieb dagegen für mehrere Kennzahlen ein deutlicher Faktor.

55 Prozent mehr potenzielle Beute für Sandtigerhaie

Besonders relevant für die Haie: 32 der erfassten Fischarten aus 22 Familien gelten nach bekannten Nahrungsdaten als mögliche Beute von Sandtigerhaien. Ihre Häufigkeit war im Marinepark durchschnittlich rund 55 Prozent höher als an den befischten Vergleichsriffen. 60 Prozent dieser potenziellen Beutearten werden zugleich von Fischern genutzt.

Sandtigerhaie selbst erschienen während der Studie ausschließlich auf Aufnahmen aus dem Schutzgebiet. An keinem der vier Vergleichsriffe wurden sie in den sieben Untersuchungszeiträumen erfasst. Innerhalb des Marineparks stieg ihre gemessene Häufigkeit zusammen mit der Menge potenzieller Beutefische. Die Korrelation war mit r = 0,78 positiv und statistisch signifikant.

Das ist ein plausibler Hinweis darauf, dass ein reiches Nahrungsangebot die Nutzung des Sammelplatzes mitbestimmt. Es ist aber kein Beweis für Ursache und Wirkung. Jahreszeitliche Wanderungen, die geringe Zahl der Haie und andere Umweltbedingungen können ebenfalls beeinflussen, wann die Tiere vor den Kameras erscheinen. Bei der letzten Erhebung wurde im Marinepark kein Sandtigerhai aufgezeichnet.

Nicht jede Haiart profitiert auf dieselbe Weise

Insgesamt registrierte die Studie 20 Hai- und Rochenarten. Für die übrigen Haie ergab sich kein beständiger Unterschied zwischen Schutzgebiet und befischten Riffen. Viele bodennah lebende Arten wie Wobbegongs erfahren vergleichsweise wenig Fischereidruck. Weit wandernde Arten wiederum bewegen sich über Flächen, die ein vier Quadratkilometer großes Reservat weit übersteigen.

Genau darin liegt eine wichtige Grenze kleiner Schutzgebiete. Sie können entscheidende Riffplätze sichern, aber mobile Haie verlassen ihre Grenzen regelmäßig. Außerhalb bleiben sie Haken, Beifang und anderer Fischereimortalität ausgesetzt. Vernetzte Schutzgebiete und Pufferzonen um zentrale Sammelplätze könnten diese Lücken verkleinern.

Die Studie zeigt einen starken Zusammenhang, aber keinen Vorher-nachher-Beweis

Die Ergebnisse passen gut zu dem, was von wirksamen Fangverbotszonen erwartet wird. Trotzdem formulieren die Autoren vorsichtig. Vor Einrichtung des Marineparks gab es keine vergleichbare Ausgangserhebung. Daher lässt sich nicht ausschließen, dass das später geschützte Riff schon vorher mehr Fische beherbergte. Zudem begrenzten die geringe Größe des Parks, die Verfügbarkeit ähnlicher Riffe und etwas flachere Vergleichsplätze das Studiendesign.

Auch die Zahl der Patrouillen und registrierten Verstöße zeigte während des Untersuchungszeitraums keinen klaren Zusammenhang mit den Fischdaten. Daraus folgt nicht, dass Kontrollen unwichtig wären. Wahrscheinlicher ist, dass die Durchsetzung insgesamt ausreichte und kurzfristige Schwankungen in den Kontrollzahlen ökologische Veränderungen nur schlecht abbilden.

Mehr als ein sicherer Parkplatz für Haie

Der Cod Grounds Marine Park wirkt nach diesen Daten nicht bloß als abgegrenzter Ort, an dem Sandtigerhaie weniger leicht gefangen werden. Er schützt zugleich eine reichere Rifffischgemeinschaft und wahrscheinlich einen besseren Nahrungsraum. Für eine seltene, langsam reproduzierende Art kann beides zählen: weniger vermeidbare Todesfälle und hochwertige Lebensräume an vertrauten Sammelplätzen.

Für Taucherinnen und Taucher macht die Studie sichtbar, warum ein einzelner berühmter Hai-Spot ökologisch nie nur aus den Haien besteht. Ein gesunder Sammelplatz braucht das ganze Riff – Beutefische, Schutzstrukturen und Regeln, die auch eingehalten werden. Lokale Fangverbote können dafür eine starke Basis schaffen. Für wandernde Sandtigerhaie müssen sie jedoch Teil eines größeren Schutznetzes entlang der Küste sein.

Erwähnte Arten

Carcharias taurus sandtigerhai über grund

Sandtigerhai

Quellen

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