Der europäische Handel mit Haiflossen ist 2025 deutlich geschrumpft, aber weiterhin ein Millionengeschäft. Neue Eurostat-Zahlen weisen für Exporte aus der EU in Länder außerhalb der Union rund 2.700 Tonnen Haiflossen im Wert von 44,8 Millionen Euro aus.
Gegenüber 2024 sank die Exportmenge um 15,2 Prozent, der Exportwert sogar um 31,3 Prozent. Der Rückgang folgt allerdings auf ein außergewöhnliches Rekordjahr. Er ist deshalb noch kein Beweis für einen dauerhaften Einbruch des Handels und erst recht kein direkter Nachweis dafür, dass weniger Haie gefangen wurden.
2024 war ein außergewöhnlicher Höhepunkt
Im Jahr 2024 hatte die EU noch etwa 3.100 Tonnen Haiflossen im Wert von 65,3 Millionen Euro in Drittstaaten exportiert. Im Vergleich zu 2023 hatte sich die Menge damit von 1.500 auf 3.100 Tonnen mehr als verdoppelt. Der Wert war innerhalb eines Jahres um 91 Prozent von 34,2 auf 65,3 Millionen Euro gestiegen.
Der Ausschlag kam nach einer längeren Abwärtsbewegung. Von 2019 bis 2023 war die Exportmenge vier Jahre in Folge gefallen und hatte 2023 mit 1.500 Tonnen ihren Tiefpunkt erreicht. Eurostat führt einen großen Teil dieser Entwicklung auf die Corona-Maßnahmen zurück, die sowohl das Angebot in der EU als auch die Nachfrage in Asien bremsten. China hob seine Beschränkungen erst im Dezember 2022 auf.
Die 2.700 Tonnen von 2025 liegen somit unter dem Rekord von 2024, aber weiterhin deutlich über dem Niveau von 2023. Von einer stabilen Trendwende lässt sich nach diesem einzelnen Jahr nicht sprechen. Dafür müssten die kommenden Handelsjahre zeigen, ob Menge und Wert weiter sinken oder erneut stark schwanken.
Der Warenwert fiel stärker als die Menge
Auffällig ist der Unterschied zwischen Gewicht und Geldwert. Während die Exportmenge um 15,2 Prozent zurückging, verlor der Warenwert fast ein Drittel. Die durchschnittlich gemeldete Ausfuhrsumme pro Tonne war damit niedriger als 2024. Aus den veröffentlichten Gesamtzahlen lässt sich jedoch nicht ablesen, ob Marktpreise, Produktqualität, Verarbeitung oder die Zusammensetzung des Handels dafür ausschlaggebend waren.
89,9 Prozent des gesamten Exportwerts entfielen auf gefrorene Haiflossen. Sie brachten 40,3 Millionen Euro ein. Geräucherte, getrocknete, gesalzene oder in Salzlake eingelegte Flossen machten weitere 4,2 Millionen Euro beziehungsweise 9,3 Prozent aus. Frische, gekühlte, zubereitete oder konservierte Produkte blieben zusammen unter einem Prozent.
Blauhai dominiert die erfassten Exporte
Bei gefrorenen Haiflossen entfielen 97,2 Prozent des Handels auf den Blauhai (Prionace glauca); der verbleibende Anteil stammte vom Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus). Bei geräucherten, getrockneten, gesalzenen oder in Lake eingelegten Flossen lag der Blauhai-Anteil bei 81,7 Prozent, der Anteil des Kurzflossen-Makos bei 18,2 Prozent.
Damit wird sichtbar, welche Arten den statistisch erfassbaren EU-Flossenhandel prägen. Die Dominanz sagt jedoch nichts darüber aus, ob ein einzelner Bestand nachhaltig befischt wird. Dafür wären Angaben zur Herkunft, zum Fanggebiet, zur Fischerei, zum jeweiligen Bestand und zu den genehmigten Exportmengen nötig.
Singapur und China nehmen mehr als 80 Prozent ab
Die Ausfuhren gingen fast vollständig nach Asien. Gemessen am Warenwert war Singapur 2025 mit 41,5 Prozent das wichtigste Zielland, knapp vor China mit 40,9 Prozent. Hongkong folgte mit 12,8 Prozent, Japan mit 2,5 Prozent und Vietnam mit 1,1 Prozent. Zusammen standen diese fünf Märkte für 98,8 Prozent des Exportwerts.
Singapur hatte China bereits 2024 als größten Abnehmer überholt. Die Statistik zeigt damit eine starke Konzentration der Handelswege. Sie zeigt allerdings nicht, ob die Ware im Zielland konsumiert, verarbeitet, gelagert oder anschließend in andere Märkte weitergehandelt wurde.
EU-Importe sind im Vergleich sehr klein
Auch die EU importiert Haiflossen, allerdings in deutlich geringerer Größenordnung. 2025 waren es 20,2 Tonnen im Wert von 300.000 Euro. Seit 2023 gingen sowohl Menge als auch Wert zurück; damals lagen die Einfuhren noch bei 66,9 Tonnen und 1,2 Millionen Euro.
Der große Abstand zwischen Ein- und Ausfuhren unterstreicht die Rolle der EU als Exporteur in dieser Warenstatistik. Er darf aber nicht automatisch als Bilanz der europäischen Haifischerei gelesen werden. Zollstatistiken verfolgen Warenströme über die Außengrenze; sie ersetzen keine Fang-, Anlande- oder Bestandsdaten.
CITES-Anhang II kontrolliert Handel, verbietet ihn aber nicht
Seit dem 25. November 2023 unterliegen zahlreiche zusätzliche Haiarten strengeren internationalen Handelskontrollen. Nach Angaben von Eurostat kamen durch die damalige Änderung 60 Haiarten hinzu. Eine Aufnahme in CITES-Anhang II ist kein pauschales Handelsverbot. Für Exporte müssen Behörden unter anderem bestätigen, dass die Ware legal erworben wurde und der Handel das Überleben der Art in freier Wildbahn nicht gefährdet.
Mehr Arten unter CITES bedeuten deshalb mehr Dokumentation, Prüfungen und Nachweispflichten. Entscheidend ist die Umsetzung: Arten müssen korrekt bestimmt, Produkte bis zur Herkunft zurückverfolgt und genehmigte Mengen mit belastbaren Bestands- und Fangdaten abgeglichen werden. Ohne diese Arbeit bleiben Regeln auf dem Papier leichter zu umgehen.
Neue Zollcodes machen einzelne Arten sichtbarer
Seit Januar 2025 verwendet die EU 13 neue Zoll- und Statistikcodes für Haie und Haiprodukte. Damit lassen sich stark gehandelte Arten wie Blauhai und Kurzflossen-Mako besser getrennt verfolgen. Zuvor verschwanden viele Warenströme in breiteren Produktgruppen, die eine Kontrolle auf Artebene erschwerten.
Die neuen Codes verbessern die Transparenz, schaffen aber zugleich einen Bruch in der Zeitreihe. Detaillierte Artanteile aus 2025 lassen sich nicht ohne Weiteres mit älteren Jahren vergleichen, in denen diese Aufschlüsselung fehlte. Spezifische Eurostat-Daten zu Haiflossen sind ohnehin erst ab 2017 verfügbar, weil frühere Handelscodes auch andere Produkte enthielten.
Was der Rückgang für den Haischutz bedeutet
Weniger Exportmenge kann den Fischereidruck verringern, wenn dahinter tatsächlich weniger Nachfrage und weniger Fang stehen. Die vorliegenden Zahlen beweisen diesen Zusammenhang jedoch nicht. Mengen können sich durch Lagerbestände, Verlagerungen zwischen Märkten, geänderte Produktformen, strengere Dokumentation oder schwankende Preise verändern. Illegale und nicht gemeldete Waren erscheinen gar nicht in der Statistik.
Eurostat wertet den Rückgang als mögliches Zeichen für eine Normalisierung nach dem außergewöhnlichen Jahr 2024 und verweist auf die verstärkte Überwachung. Das ist eine plausible Einordnung, aber noch kein Kausalnachweis. Ob CITES-Kontrollen und neue Zollcodes den Handel dauerhaft verändern, wird sich erst über mehrere Jahre und mit besserer Herkunfts- und Artinformation beurteilen lassen.
Transparenz ist der erste Schritt
Die wichtigste Verbesserung liegt deshalb nicht allein in der kleineren Zahl für 2025, sondern in der genaueren Sicht auf die Handelsströme. Wenn Behörden erkennen, welche Arten in welcher Produktform über welche Märkte gehandelt werden, können Genehmigungen, Fangdaten und Bestandsbewertungen gezielter miteinander verglichen werden.
Für den Schutz von Blauhai und Kurzflossen-Mako bleibt entscheidend, was vor der Zollanmeldung geschieht: wo die Tiere gefangen wurden, aus welchem Bestand sie stammen und ob die Entnahme langfristig tragbar ist. Die Handelsstatistik macht einen Teil der Kette sichtbar. Nachhaltigen Haischutz kann sie kontrollieren helfen, aber nicht allein garantieren.



