Fangraub an der US-Ostküste: Im Süden dominieren Haie, im Norden Robben

Eine Umfrage unter 954 betroffenen Anglern zeigt starke regionale Unterschiede: Im Süden der US-Ostküste dominiert Fangraub durch Haie, im Norden durch Robben.

Sharky24. August 2026
Angler im Kajak gegenüber einem Hai als Symbol für Fangraub

Wenn ein Räuber einen bereits gehakten Fisch ganz oder teilweise frisst, sprechen Fachleute von Fangraub oder Depredation. Eine neue Auswertung von North Carolina Sea Grant zeigt nun, wie unterschiedlich Angler dieses Problem entlang der US-Ostküste erleben: Im Süden stehen vor allem Haie im Mittelpunkt, im Norden überwiegend Robben.

Warum NOAA dazu eine eigene Forschungsstrategie entwickelt, welche Rolle Bestandsentwicklung, erlerntes Verhalten und technische Abschreckung spielen könnten, haben wir bereits ausführlich behandelt. Die neue Untersuchung beantwortet eine andere Frage: Wer nimmt den Fang in welcher Region – und wie verändern häufige Verluste die Einstellungen und Entscheidungen der Angler?

954 Betroffene, aber keine repräsentative Quote aller Angler

Die Forschenden befragten zwischen Juli und Oktober 2024 über soziale Medien Freizeitangler von North Carolina bis Maine. Teilnehmen konnten Personen, die im vorangegangenen Jahr selbst Fangraub erlebt hatten. Ausgewertet wurden 954 Antworten. Die Befragten beschrieben unter anderem Zielarten, Fanggebiete, Häufigkeit, mutmaßliche Räuber und ihre Reaktionen auf die Verluste.

Diese Auswahl ist für die Einordnung entscheidend. Die Studie misst Erfahrungen innerhalb einer bereits betroffenen Gruppe; sie zeigt nicht, welcher Anteil aller Angler an der US-Ostküste Fangraub erlebt. Auch die angegebenen Verlustquoten beruhen auf Schätzungen und Erinnerungen der Befragten, nicht auf unabhängig beobachteten Fangfahrten.

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Fast jeder fünfte Fang betroffen – nach Einschätzung der Befragten

Über alle drei Untersuchungsregionen hinweg schätzten die Teilnehmer, dass nahezu 20 Prozent ihrer Fänge von einem Räuber angegriffen wurden. 62 Prozent nannten Haie als häufigste Verursacher, 29 Prozent Robben. Außerdem erfasste das Team räuberische Fische und Vögel, die insgesamt aber deutlich seltener genannt wurden.

Ein einziger Durchschnittswert verdeckt jedoch das wichtigste Ergebnis der in Fisheries Research veröffentlichten Studie: Breitenlage, Fanggebiet und Zielfischerei trennten die Erfahrungen stärker als eine pauschale Kategorie „Fangraub“.

Im Süden: Haie bei der Offshore-Fischerei

Zur südlichen Region zählten Maryland, Virginia und North Carolina. Dort bezeichneten 95 Prozent der Befragten Haie als ihre häufigsten Fangräuber. Nach ihren Schätzungen verloren sie im Mittel fast 35 Prozent der bereits gehakten Fische an Haie.

Viele dieser Angler fischten weiter draußen auf See und zielten häufiger auf Thunfische. Das unterscheidet ihre Situation grundlegend von küstennahen Fischereien im Norden. Die Umfrage identifiziert dabei keine einzelne Haiart als Hauptverursacher. Aus den hohen Werten lässt sich deshalb weder auf eine bestimmte Art noch unmittelbar auf die Größe eines Bestands schließen.

Im Norden: Robben häufiger, Verlustrate niedriger

Die nördliche Gruppe umfasste Maine, New Hampshire, Massachusetts und Rhode Island. Hier nannten 70 Prozent der Teilnehmer Robben als häufigste Fangräuber. Die durchschnittlich geschätzte Verlustrate durch Robben lag mit neun Prozent deutlich unter dem südlichen Wert für Haie.

Im Norden standen vor allem küstennahe Arten wie der Streifenbarsch im Mittelpunkt. Räuber, Lebensraum und Zielfischerei bildeten damit ein anderes Konfliktsystem als bei der südlichen Thunfischerei. Für New York und New Jersey, die mittlere Region, ergab sich ein gemischtes Bild mit vergleichsweise niedrigen Medianwerten für Haie und Robben.

Häufige Verluste verschärfen die Ablehnung

Je häufiger Befragte Fangraub erlebten, desto eher unterstützten sie eine Verringerung oder sogar Beseitigung der verantwortlichen Population. Das bedeutet nicht, dass alle Angler solche Eingriffe verlangten. Die statistische Beziehung zeigt aber, wie wiederholte Verluste die Akzeptanz geschützter oder sich erholender Räuber untergraben können.

Auch die emotionale Reaktion hing von Region und Räuber ab. Im Norden lösten Robben häufiger Ärger, Traurigkeit und Belastung aus als Haie. Begegnungen mit Haien wurden dort vergleichsweise öfter auch mit Staunen und Aufregung verbunden. Im Süden, wo die gemeldeten Hai-Verluste wesentlich höher waren, fielen die negativen Reaktionen auf Haie dagegen am stärksten aus.

Angler hören nicht auf, sie meiden bestimmte Gebiete

Trotz des Ärgers wollten die Befragten insgesamt nicht weniger angeln. Sie berichteten jedoch, Gebiete mit wiederholtem Fangraub zu meiden. Damit kann der Konflikt die räumliche Verteilung des Fischereiaufwands verändern, ohne dass die Zahl der Angeltage zwingend sinkt. Belastung kann sich so in andere Gebiete oder auf andere Zielarten verlagern.

Keine Einheitslösung für Haie und Robben

Die Ergebnisse sprechen gegen eine einzige Maßnahme für die gesamte Ostküste. Ein Verfahren für Haie bei der Offshore-Fischerei auf Thunfisch muss andere Tiere, Geräte und Signale berücksichtigen als ein Ansatz für Robben in einer küstennahen Streifenbarsch-Fischerei. Management sollte deshalb Arten beziehungsweise Räubergruppen, Region, Fangmethode und tatsächliche Verlusthäufigkeit gemeinsam betrachten.

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Ebenso wichtig ist die soziale Dimension. Wer nur verlorene Kilogramm Fisch zählt, erkennt möglicherweise zu spät, dass Frust, Gebietsmeidung und Forderungen nach Bestandsreduktionen zunehmen. Praktische Lösungen müssen reale Verluste begrenzen und zugleich verhindern, dass eine ganze Räubergruppe ohne ausreichende Bestandsdaten zum Problem erklärt wird.

Was die Umfrage offenlässt

Die Studie liefert ein detailliertes Bild von Wahrnehmungen, aber keine direkte ökologische Bestandsaufnahme. Selbstberichte können tatsächliche Verluste über- oder unterschätzen, und die breite Kategorie „Haie“ erlaubt keine Zuordnung zu einzelnen Arten. Weil nur bereits betroffene Angler teilnehmen durften, darf die Stichprobe außerdem nicht zur allgemeinen Häufigkeit des Problems hochgerechnet werden.

Gerade diese Grenzen machen die Untersuchung für das Management nützlich: Sie zeigt, welche Fragen nun mit Beobachterdaten, elektronischer Dokumentation und regionalen Feldstudien geprüft werden müssen. Fangraub ist kein einheitliches biologisches Ereignis, sondern ein regional unterschiedlicher Konflikt zwischen Räubern, Fischern und menschlichen Erwartungen.

Quellen

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