Studie kartiert 5.596 Nachweise von 33 Haiarten in Griechenland

Eine neue Studie bündelt 5.596 georeferenzierte Nachweise von Haien, Rochen und Chimären in griechischen Gewässern. Bestätigt wurden 33 Haiarten – doch die Daten belegen keinen aktuellen Bestandsanstieg.

Sharky23. August 2026
iNaturalist-Karte mit gemeldeten Hai-Beobachtungen rund um Griechenland
Auf iNaturalist gemeldete Hai-Beobachtungen in Griechenland. Beobachtungsdaten: iNaturalist; Kartengrundlage © Google Maps. Die Punkte zeigen Meldungen auf iNaturalist und keine vollständige Bestandsaufnahme oder die 5.596 Nachweise der Studie.

Eine am 20. August 2026 veröffentlichte Open-Access-Studie in der Fachzeitschrift Fishes bündelt 5.596 georeferenzierte Vorkommensnachweise aus griechischen und angrenzenden Gewässern. Nach der Validierung bestätigt das Forschungsteam 62 Arten: 33 Haiarten, 28 Rochenarten und eine Chimärenart.

Die Zahl 5.596 bezeichnet dabei keine gezählten Tiere und auch keine aktuelle Bestandsschätzung. Jeder Datensatz steht für einen räumlich zugeordneten Nachweis. Die Untersuchung zeigt damit, wo Arten im Lauf vieler Jahrzehnte dokumentiert wurden – nicht, wie viele Haie heute in der Ägäis oder im Ionischen Meer leben. Der vollständige Artikel ist außerdem als direkte PDF-Datei des Verlags frei abrufbar.

Von historischen Berichten zur georeferenzierten Datenbank

Die Forschenden sichteten wissenschaftliche und graue Literatur, Forschungsprogramme, Biodiversitätsdatenbanken, Citizen-Science-Projekte sowie Beiträge aus Massen- und sozialen Medien. Der älteste moderne Nachweis stammt aus dem Jahr 1858. Für die räumliche Auswertung konnten jedoch erst Meldungen ab 1942 genutzt werden, weil ältere Angaben meist nur Fischmärkte oder große Regionen nannten. Die Karten decken den Zeitraum 1942 bis 2025 ab.

Von den 5.596 Datensätzen entfallen 2.185 auf Haie, 3.287 auf Rochen und 124 auf Chimären. 54,8 Prozent stammen aus Forschungsprogrammen, 30,5 Prozent aus publizierter Forschung und 14,4 Prozent aus zuvor unveröffentlichten Citizen-Science-Daten. Insgesamt wertete das Team 268 wissenschaftliche Veröffentlichungen und Konferenzbeiträge aus.

Alle Einträge wurden auf Doppelungen und belastbare Artbestimmungen geprüft. Von zunächst 67 gemeldeten Arten werteten die Autoren fünf als für griechische Gewässer nicht ausreichend bestätigt. Übrig blieben 62 validierte Arten. Diese Unterscheidung erklärt, warum ältere Artenlisten und die neue räumliche Datenbank nicht immer dieselben Gesamtzahlen nennen.

Katzenhai, Glatthai und Blauhai am häufigsten dokumentiert

Unter den Haien weist Tabelle A1 die meisten Nachweise für den Kleingefleckten Katzenhai (Scyliorhinus canicula) aus: 361 Datensätze. Es folgen der Graue Glatthai (Mustelus mustelus) mit 269 und der Blauhai (Prionace glauca) mit 188 Nachweisen. Das sind die drei am häufigsten dokumentierten Haiarten der zusammengeführten Datenbank.

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Mehr Informationen

Diese Reihenfolge ist nicht automatisch eine Rangliste der heutigen Bestandsgrößen. Bodenlebende Arten tauchen häufig in Schleppnetz- und Fischereidaten auf, während pelagische Arten wie der Blauhai in offenen Meeresgebieten nur punktuell erfasst werden. Fanggerät, Forschungsschwerpunkte und die Erreichbarkeit eines Lebensraums beeinflussen daher, welche Arten besonders oft in der Datenbank erscheinen.

Die meisten Nachweise stammen aus der Ägäis

67,7 Prozent aller räumlichen Nachweise liegen in der Ägäis, 27,5 Prozent im Ionischen Meer und 4,4 Prozent in den Gewässern um Kreta. Südliche Adria und Levantinisches Meer steuern jeweils weniger als ein Prozent bei. Die hohe Dichte in der Ägäis kann teilweise ein echtes ökologisches Signal sein: vielfältige Lebensräume, Strömungsfronten und produktive Gebiete bieten Knorpelfischen unterschiedliche Nahrungs-, Aufwuchs- und Rückzugsräume.

Gleichzeitig wurde die Ägäis deutlich intensiver untersucht. Im Ionischen Meer prägt zudem ein umfangreiches Monitoring im Ambrakischen Golf die Karten. Umgekehrt bedeutet die geringe Punktdichte vor Kreta und im Levantinischen Meer ausdrücklich nicht, dass dort kaum Haie oder Rochen vorkommen. Nach Einschätzung der Autoren zeigt sie vor allem, wo gezielte und standardisierte Erhebungen fehlen.

Mehr Meldungen sind kein Beleg für mehr Haie

Besonders seit 2015 steigt die Zahl der gespeicherten Nachweise stark an. Die Studie führt das vor allem auf bessere Datenverfügbarkeit, wachsende wissenschaftliche und öffentliche Aufmerksamkeit sowie neue Möglichkeiten zum Teilen von Beobachtungen zurück. Eine Zeitreihe aus verschiedenartigen Quellen kann deshalb nicht wie eine standardisierte Bestandserhebung gelesen werden.

Dazu passt die Einordnung der griechischen Meeresschutzorganisation iSea. Für einen Anstieg der Haipopulationen in griechischen Gewässern gebe es keine wissenschaftlichen Belege. Dass heute mehr Sichtungen öffentlich werden, erklärt iSea vor allem mit Smartphones, Drohnen und sozialen Medien. Beobachtungen, die früher nur lokalen Fischern oder Anwohnern bekannt gewesen wären, können sich heute innerhalb weniger Stunden landesweit verbreiten.

Haie sind in diesem Teil des Mittelmeers auch keine neue Erscheinung. Aristoteles beschrieb bereits mehrere Knorpelfische, darunter den Blauhai. Einzelne Sichtungen in Küstennähe belegen daher weder ein neues Einwandern noch einen durch warme Sommer ausgelösten Bestandszuwachs. Für solche Aussagen wären langfristige Erhebungen mit gleichbleibenden Methoden nötig.

Räumliche Daten können Schutzgebiete gezielter machen

Mehr als die Hälfte der Knorpelfischarten im Mittelmeer gilt als vom Aussterben bedroht. Gerade deshalb ist die neue Datengrundlage wichtiger als eine plakative Artenzahl. Sie kann helfen, Verbreitungsmodelle zu entwickeln, Forschungslücken zu priorisieren und bei der Meeresraumplanung Gebiete zu erkennen, die für bedrohte oder datenarme Arten besonders relevant sein könnten.

Nach Angaben der Autoren sind Teile der zusammengetragenen Daten bereits in die Identifizierung von Important Shark and Ray Areas in griechischen Gewässern und in Umweltstudien für die Ausweisung des Ionischen Nationalparks eingeflossen. Die Punktkarten allein weisen allerdings noch keine Kinderstuben, Fortpflanzungsgebiete oder Bestandsentwicklungen nach. Dafür fehlen unter anderem einheitliche Angaben zu Tiefe und Habitat sowie langfristige, fischereiunabhängige Messreihen.

Der eigentliche Fortschritt liegt somit in einer belastbaren räumlichen Ausgangsbasis: verstreute Beobachtungen wurden geprüft, entdoppelt und nach einheitlichen Meeresregionen geordnet. Die Studie beantwortet nicht abschließend, wie viele Haie Griechenlands Meere heute beherbergen. Sie zeigt aber wesentlich genauer, was bereits bekannt ist – und an welchen Küsten und in welchen Tiefseegebieten die größten Wissenslücken liegen.

Erwähnte Arten

Kleingefleckter katzenhai scyliorhinus canicula

Kleingefleckter Katzenhai

Grauer Glatthai Mustelus mustelus

Grauer Glatthai

Blauhai prionace glauca im blauwasser

Blauhai

Quellen

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