Gemeine Fuchshaie vor der Isle of Wight: Exeter startet erste UK-Studie

Die University of Exeter startet vor der Isle of Wight die erste gezielte Studie zu Gemeinen Fuchshaien in britischen Gewässern. Zwei elektronische Tags sollen zeigen, warum die Haie im Sommer in den nördlichen Ärmelkanal kommen.

Sharky16. Juni 2026
Gemeiner Fuchshai Alopias vulpinus
Threshershark

Die University of Exeter startet vor der Isle of Wight eine neue Studie zu Gemeinen Fuchshaien (Alopias vulpinus). Es ist nach Angaben der Universität die erste gezielte Untersuchung dieser Haiart in britischen Gewässern.

Der Zeitpunkt passt ungewöhnlich gut zur Geschichte: Während auf der Insel im Juni die Festival-Saison läuft, beginnt im Meer direkt vor der Küste ein Forschungsprojekt, das von der Solo Music Agency unterstützt wird. Die Agentur wurde von John Giddings gegründet, dem Organisator des Isle of Wight Festival und ehemaligen Exeter-Studenten.

Für die Haiforschung ist die Förderung mehr als ein hübscher Musik-Bezug. Gemeine Fuchshaie werden vor der Isle of Wight im Sommer immer wieder gesichtet, doch warum sie in den nördlichen Ärmelkanal kommen, ist bisher kaum verstanden. Genau diese Lücke soll das Pilotprojekt schließen.

Ein besonderer Hai an einem möglichen Schlüsselplatz

Der Gemeine Fuchshai ist ein großer, weit wandernder Hochseehai, der bis zu sechs Meter lang werden kann. Sein auffälligstes Merkmal ist der extrem verlängerte obere Schwanzlappen. Mit dieser Schwanzflosse kann er Schwarmfische zusammentreiben oder betäuben, bevor er sie frisst.

Vor der Isle of Wight deuten wiederkehrende Sichtungen darauf hin, dass die Tiere den Bereich saisonal nutzen. Exeter-Forschende halten es für möglich, dass die flacheren Küstengewässer für Paarung, Jungtiere oder andere wichtige Lebensphasen eine Rolle spielen. Sollte sich das bestätigen, wäre die Region für den Schutz der Art wichtiger als bisher erkennbar.

Das ist besonders relevant, weil Fuchshaie durch intensive Fischerei unter Druck stehen. Im Atlantik sind Bestände stark zurückgegangen; für Schutzmaßnahmen fehlen aber vielerorts genaue Daten darüber, wo die Tiere saisonal auftauchen, welche Tiefen sie nutzen und welche Bereiche für Fortpflanzung oder Nahrungssuche wichtig sind.

Zwei Tags für ein verborgenes Jahr

Im Zentrum der Studie stehen zwei elektronische Hochleistungstags. Sie sollen gemeinsam mit erfahrenen Freizeitanglern auf der Isle of Wight an Fuchshaien angebracht werden. Die Zusammenarbeit ist entscheidend, weil lokale Angler die seltenen Tiere seit Jahren beobachten und ihre saisonalen Muster oft besser kennen als jeder kurze Forschungseinsatz.

Die Tags bleiben etwa ein Jahr an den Haien, lösen sich anschließend von selbst und senden die gesammelten Daten zurück. Für die Forschenden können dadurch Bewegungen, Tiefennutzung, mögliche Fressphasen und Aufenthaltsräume sichtbar werden, die von Booten oder Land aus nicht zu beobachten sind.

Gerade bei Fuchshaien ist dieser Blick unter die Oberfläche wichtig. Sichtungen erzählen nur, dass ein Tier da ist. Trackingdaten können zeigen, ob die Haie kurz durchziehen, regelmäßig zurückkehren, bestimmte Tiefen aufsuchen oder längere Zeit in einem eng begrenzten Gebiet bleiben.

Warum die Studie für Schutz und Haitauchen zählt

Für Taucherinnen und Taucher sind Fuchshaie seltene Begegnungen. Sie erscheinen meist nicht wie Riffhaie an klar planbaren Plätzen, sondern folgen produktiven Kanten, Beutefischen, Strömungen und saisonalen Bedingungen. Genau deshalb sind belastbare Daten so wertvoll: Sie trennen Zufallssichtungen von tatsächlich wichtigen Lebensräumen.

Wenn sich die Gewässer vor der Isle of Wight als wiederkehrender Hotspot herausstellen, könnte das künftige Schutzmaßnahmen genauer machen. Denkbar wären bessere saisonale Aufmerksamkeit, stärkere Berücksichtigung in Fischereiregeln oder zusätzliche Forschung zu Gebieten, in denen Jungtiere oder paarungsbereite Tiere auftreten.

Die Studie zeigt auch, wie moderner Haischutz oft entsteht: nicht nur aus großen staatlichen Programmen, sondern aus lokalen Beobachtungen, Forschungsteams, privaten Förderern und Menschen, die regelmäßig auf dem Wasser sind. In diesem Fall verbindet sich die Festivalinsel mit einer Frage, die weit über den Sommer hinausreicht.

Ein Pilotprojekt mit größerem Ziel

Exeter beschreibt die aktuelle Studie als Pilotprojekt. Die zwei Tags sollen die Grundlage für ein größeres Vorhaben schaffen, falls die ersten Daten zeigen, dass sich eine breitere Untersuchung lohnt. Die Universität sucht dafür weitere philanthropische Unterstützung.

Für die Fuchshaie vor der Isle of Wight könnte dieser erste Schritt entscheidend sein. Solange unbekannt bleibt, warum sie jedes Jahr auftauchen, bleibt auch ihr Schutz unscharf. Wenn die Tags jedoch zeigen, welche Wege die Tiere nehmen und welche Meeresräume sie wirklich brauchen, wird aus einer seltenen Sommersichtung ein konkreter Schutzauftrag.

Erwähnte Arten

Gemeiner Fuchshai Alopias vulpinus

Gemeiner Fuchshai

Quellen

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