Eine neue Studie zur Haifischerei in Muncar zeigt, an welchen Stellen Schutzmaßnahmen besonders wirksam ansetzen könnten. Der Hafen an der Ostküste Javas gehört zu den bedeutenden Umschlagplätzen für Haifänge in Indonesien. Anhand täglicher Anlandedaten, GPS-Aufzeichnungen und Gesprächen mit Fischern untersuchte das Forschungsteam, welche Arten gefangen werden, wie groß die Tiere sind und wann sowie mit welchen Fanggeräten besonders hohe Risiken entstehen.
127 Boote und zwei sehr unterschiedliche Fischereien
Die Forschenden erfassten 127 von Muncar aus operierende Boote. 113 kleine Fahrzeuge mit weniger als fünf Bruttoregistertonnen setzten überwiegend Kiemennetze in der Bali-Straße ein. Sie zielten vor allem auf Thunfische, Marline und Haarschwänze; Haie waren ein wirtschaftlich wertvoller Beifang. Weitere 14 größere Boote spezialisierten sich mit Langleinen auf Haie und fischten über größere Distanzen bis in Gewässer vor Ostjava, Lombok, der Balisee und der Makassarstraße.
Diese Trennung ist für das Management entscheidend. Die kleine Küstenfischerei und die größere Langleinenfischerei treffen Haie in unterschiedlichen Gebieten und Lebensphasen. Eine einheitliche Regel für alle Boote würde deshalb wahrscheinlich an den tatsächlichen Risikomustern vorbeigehen.
Jeder zweite erfasste Hai gehörte zu einer bedrohten Art
Für 2023 und 2024 listet die Studie insgesamt 3.439 Haie aus 51 Arten auf. 50 Prozent der Fänge entfielen auf Arten, die auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht gelten. 33 Prozent gehörten zu CITES-gelisteten Arten. Am häufigsten wurden Seidenhaie, Bogenstirn-Hammerhaie, Große Schwarzspitzenhaie, Schwarzspitzen-Riffhaie und Pazifische Fuchshaie erfasst. Alle fünf Arten sind bedroht und stehen in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens.
Die Längenverteilung verschärft das Bild. Besonders bei Seidenhaien, Großen Schwarzspitzenhaien, Pazifischen Fuchshaien und Schwarzspitzen-Riffhaien dominierten kleine und noch nicht geschlechtsreife Tiere. Bei Seidenhaien und Großen Schwarzspitzenhaien nahm die mittlere Fanglänge innerhalb der beiden Untersuchungsjahre statistisch signifikant ab. Das deutet auf Wachstums- oder Rekrutierungsüberfischung hin: Tiere werden entnommen, bevor sie ihre optimale Größe erreichen oder sich fortpflanzen konnten.
Langleinen und der Monat Mai erhöhen das Hammerhai-Risiko
Beim vom Aussterben bedrohten Bogenstirn-Hammerhai zeigten sich klare Unterschiede zwischen Fanggeräten. Kiemennetze fingen weniger, aber kleinere und jüngere Tiere. Langleinen erfassten dagegen viele subadulte und erwachsene Hammerhaie. Männchen wurden mit beiden Fangmethoden typischerweise bereits vor der Geschlechtsreife gefangen. Dadurch wirkt der Fischereidruck auf mehrere Lebensphasen derselben Population.
Statistisch war die Wahrscheinlichkeit eines Hammerhaifangs im Mai höher als in anderen untersuchten Monaten. Größere Boote wiesen ebenfalls ein deutlich höheres Fangrisiko auf als kleine Fahrzeuge. Die Autoren warnen jedoch vor einer vorschnellen Deutung: Ohne räumlich aufgelöste Daten zum Fang pro Aufwand lässt sich nicht sicher unterscheiden, ob im Mai mehr Hammerhaie vorhanden waren oder lediglich intensiver gefischt wurde.
Schutzmaßnahmen müssen ökologisch und sozial tragfähig sein
Als mögliche Instrumente nennt die Studie Mindestgrößen, Fanggrenzen, saisonale Schließungen und räumliche Schutzmaßnahmen. Vorrangig sollte die Langleinenfischerei betrachtet werden, weil die wenigen spezialisierten Boote besonders viele bedrohte Haie fingen. Eine Schließung im Mai könnte sinnvoll sein, falls weitere Daten bestätigen, dass dieser Zeitraum mit Fortpflanzung oder Ansammlungen von Hammerhaien zusammenfällt. Auch Blongas, ein als Important Shark and Ray Area ausgewiesenes Gebiet, kommt für räumliche Schutzmaßnahmen infrage.
Regeln allein reichen nach Einschätzung der Forschenden nicht aus. Indonesien verfügt bereits über Handelsvorgaben, Quoten und empfohlene Mindestgrößen, doch die Anlandedaten deuten auf eine Lücke zwischen Vorschrift und Umsetzung hin. Regelmäßige unangekündigte Kontrollen an Häfen und Märkten sowie eine bessere Rückverfolgbarkeit könnten die Einhaltung verbessern.
Gleichzeitig hängen Küstengemeinden wirtschaftlich von der Fischerei ab. Ein vollständiges Verbot bedrohter Arten oder die Schließung einer Fischerei hätte kurzfristig erhebliche soziale Folgen. Die Studie empfiehlt deshalb, Maßnahmen gemeinsam mit Fischern zu entwickeln und gegebenenfalls durch den Wechsel in andere Fischereien, Aufkaufprogramme oder alternative Einkommen abzufedern. Die Daten liefern keine fertige Lösung, aber sie zeigen, wie Schutz dort ansetzen kann, wo Fangrisiko und ökologische Verwundbarkeit zusammenkommen.






