Die Seepolizei von Kiribati hat ein chinesisches Fischereischiff festgesetzt, nachdem Kontrolleure Haiflossen an Bord entdeckt hatten. Das Schiff besaß zwar eine Lizenz für kiribatische Gewässer, verstieß nach Angaben des Polizeikommandeurs Tom Redfern jedoch gegen eine Lizenzauflage, die das Behalten von Haiflossen untersagt. Über den Fall berichtete CBS News unter Berufung auf AFP.
Die Behörden eskortierten das Schiff nach Kiritimati, auch Christmas Island genannt. Dort sollen die Ermittlungen fortgesetzt werden. Wie viele Flossen gefunden wurden, von welchen Arten sie stammen und ob die Tiere bereits tot waren, als die Flossen entfernt wurden, ist bislang nicht veröffentlicht. Der Fund belegt daher einen Verstoß durch aufbewahrte Flossen, aber noch keine bestimmte Form des Fangens oder Tötens.
Kontrolle während einer regionalen Großoperation
Die Kontrolle fiel in den Zeitraum der regionalen Fischereiüberwachung Operation Island Chief 2026. Nach der Pacific Islands Forum Fisheries Agency lief die Aktion vom 3. bis 14. August. Überwacht wurden mehr als 3.000 Schiffe in einem Gebiet von rund 27,5 Millionen Quadratkilometern. Die beteiligten Staaten führten 133 Kontrollen durch und nahmen insgesamt vier Schiffe fest.
Die Auswertung führte zu 16 Schiffen von besonderem Interesse. Satelliten lieferten 10.884 Erfassungen, Flugzeuge und Patrouillenschiffe meldeten 92 Sichtungen, und die Einsatzleitung prüfte 45 Kontakte mit hohem Risiko für illegale, nicht gemeldete oder unregulierte Fischerei. Die konkreten Verdachtsfälle wurden an die zuständigen nationalen Behörden übergeben.
Haiflossen an Bord sind nicht automatisch Beweis für Finning
Beim sogenannten Finning werden einem Hai die Flossen abgetrennt und der Körper wird häufig wieder über Bord gegeben. Die bislang öffentlich bekannten Angaben aus Kiribati reichen jedoch nicht aus, um diesen Ablauf für das festgesetzte Schiff zu bestätigen. Sicher benannt ist nur, dass Haiflossen an Bord behalten wurden und dies gegen die Bedingungen der Fanglizenz verstieß.
Diese Unterscheidung ist für die juristische Bewertung wichtig. Die Ermittler müssen unter anderem klären, wann und wo die Haie gefangen wurden, ob die Fänge ordnungsgemäß gemeldet waren und welche Vorschriften zusätzlich zur Lizenzauflage greifen. Auch eine mögliche Strafe ist noch nicht bekannt.
Überwachung in einem riesigen Meeresgebiet
Kiribati besteht aus weit verstreuten Inselgruppen im Pazifischen Ozean. Ein einzelner Staat kann die gesamte ausschließliche Wirtschaftszone kaum lückenlos mit Schiffen und Flugzeugen kontrollieren. Gemeinsame Lagebilder aus Satellitendaten, Luftaufklärung und Kontrollen auf See sollen deshalb auffällige Bewegungen gezielt herausfiltern.
Der aktuelle Fall zeigt den praktischen Nutzen dieses Ansatzes: Eine vorhandene Fanglizenz schließt Verstöße nicht aus. Entscheidend sind Kontrollen, die auch Ladung, Fangdokumentation und Lizenzbedingungen prüfen. Bis Kiribati das Verfahren abgeschlossen hat, bleiben Umfang des Verstoßes und mögliche weitere Vorwürfe offen.

