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Drei Riffhai-Gebiete der Kaimaninseln international anerkannt

Tauchdaten belegen wichtige Riffhai-Ansammlungen vor Grand Cayman und Little Cayman. Drei Gebiete sind nun als Important Shark and Ray Areas anerkannt.

Ronny K27. Oktober 2026
Übersichtskarte der Kaimaninseln mit den rot markierten ISRA-Gebieten Queen’s Highway, Gun Bay und Bloody Bay.

Rot markiert sind die anerkannten Hai-Lebensräume vor Grand Cayman und Little Cayman. Karte: Cayman Islands Department of Environment.

Drei Küstengebiete der Kaimaninseln sind als wichtige Lebensräume für Haie und Rochen anerkannt worden. Wie das Umweltamt der Kaimaninseln am 20. Oktober mitteilte, wurden Queen’s Highway und Gun Bay vor Grand Cayman sowie Bloody Bay vor Little Cayman in den regionalen ISRA-Atlas aufgenommen. Ausschlaggebend sind regelmäßig beobachtete Ansammlungen des stark gefährdeten Karibischen Riffhais.

Die Anerkennung durch das ISRA-Projekt der IUCN SSC Shark Specialist Group beruht wesentlich auf Beobachtungen von Sporttauchern. Mehr als 57.000 dokumentierte Tauchgänge aus den Jahren 2017 bis 2025 lieferten die Datengrundlage. Damit wird sichtbar, welchen Beitrag langfristig gesammelte Tauchbeobachtungen zur Bewertung von Hai-Lebensräumen leisten können.

Drei kleine Gebiete mit wiederkehrenden Hai-Ansammlungen

Die offiziellen Steckbriefe beschreiben klar abgegrenzte Bereiche bis 30 Meter Tiefe. Die Anerkennung gilt also nicht pauschal für die gesamten Küsten der beiden Inseln.

Queen’s Highway liegt an der Nordostküste von Grand Cayman und umfasst 0,41 Quadratkilometer. Von 3.027 dort protokollierten Tauchgängen enthielten 37,4 Prozent eine Riffhai-Sichtung. Beobachtungen gab es ganzjährig; auf einzelnen Tauchgängen wurden bis zu fünf Tiere zusammen gesehen. Der Gebietssteckbrief nennt Korallenriffe, felsigen Riffuntergrund und Sandflächen als prägende Lebensräume.

Gun Bay an der Südostküste von Grand Cayman ist mit 0,38 Quadratkilometern etwas kleiner. Hier wurden bei 42,3 Prozent von 4.354 erfassten Tauchgängen Karibische Riffhaie gesichtet. Die größten beobachteten Gruppen umfassten bis zu 15 Tiere. Laut Steckbrief zu Gun Bay erreichten die Sichtungen im Juli und August ihren Höhepunkt. Hinweise auf Paarung und mögliche Trächtigkeit werfen zudem Fragen nach der Bedeutung des Gebiets für die Fortpflanzung auf.

Bloody Bay an der Nordküste von Little Cayman umfasst 0,79 Quadratkilometer und überschneidet sich mit dem bestehenden Bloody Bay Marine Park. Bei 14,3 Prozent von 4.951 protokollierten Tauchgängen wurden Riffhaie beobachtet, mit Gruppen von bis zu sechs Tieren. Der Steckbrief zu Bloody Bay dokumentiert auch sehr junge Haie: ein als neugeboren eingeordnetes Tier im Januar 2020 und ein Jungtier aus dem jeweiligen Geburtsjahr im Juni 2025.

Was die Beobachtungen zeigen – und was noch offenbleibt

Die Prozentwerte beziehen sich auf protokollierte Tauchgänge mit Sichtungen. Sie sind keine Zählung unterschiedlicher Haie und lassen sich nicht als Anteil einer Gesamtpopulation lesen. Dass Tiere wiederholt in einem kleinen Gebiet auftauchen, macht dieses für die Forschung interessant; es erklärt aber noch nicht vollständig, warum sie sich dort sammeln.

Alle drei Gebiete wurden unter den Kriterien für gefährdete Arten und für Ansammlungen mit noch ungeklärter Funktion anerkannt. Die Steckbriefe fordern weitere Untersuchungen zum Zweck dieser Zusammenkünfte. Beobachtete Jungtiere oder mögliche Paarungsspuren allein machen aus den drei Gebieten deshalb noch keine nachgewiesenen Kinderstuben.

Tauchprotokolle ergänzen gezielte Forschung

Gesammelt wurden die Beobachtungen im Sharklogger Network, einem vom Umweltamt betreuten Bürgerforschungsprogramm. Das Netzwerk war bereits Teil der auf der Sharks International 2026 vorgestellten Arbeit der Kaimaninseln. Die neue Gebietsanerkennung zeigt nun eine konkrete Verwendung dieser langfristigen Datensammlung.

Parallel untersucht das lokale Forschungsteam die Fortpflanzung der Riffhaie mit anderer Technik. Ein bereits eingesetzter Birth-Alert-Tag soll den Zeitpunkt und Ort einer Geburt übermitteln. Dieses eigenständige Projekt ersetzt die Tauchbeobachtungen nicht, kann aber Fragen beantworten helfen, die eine Sichtung am Riff offenlässt.

Eine wissenschaftliche Grundlage für Schutzentscheidungen

Die Bezeichnung Important Shark and Ray Area schafft für sich genommen keine neuen gesetzlichen Schutzregeln. Sie benennt wissenschaftlich begründete Schwerpunkte, die bei Meeresraumplanung, Schutzmaßnahmen und weiterer Forschung berücksichtigt werden können. Welche konkreten Maßnahmen daraus folgen, ist eine eigene Entscheidung der zuständigen Stellen.

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