Madagaskar und Sansibar haben auf der Our Ocean Conference in Mombasa neue nationale Schutzmaßnahmen für Haie und Rochen angekündigt. Für den Westlichen Indischen Ozean ist das mehr als eine diplomatische Randnotiz: Die Region verbindet wichtige Lebensräume, Küstenfischerei, internationalen Handel und einen wachsenden Meerestourismus.
Nach der Mitteilung der Wildlife Conservation Society will Madagaskar 14 Hai- und Rochenarten unter dem nationalen Wild Fauna Decree vollständig schützen. Genannt werden unter anderem der vom Aussterben bedrohte Weißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus), Walhaie (Rhincodon typus) und Mantarochen.
Sansibar kündigte demnach an, den Vollschutz in seinen Küstengewässern auf 34 Arten auszuweiten. Dazu zählen Hammerhaie, Fuchshaie und der endemische Zanzibar guitarfish. Die Ankündigungen erfolgten bei einem Side Event der Konferenz, unterstützt von der Shark Conservation Fund, den Regierungen von Kenia, Tansania und Madagaskar sowie WCS.
Warum nationale Regeln jetzt entscheidend sind
Internationale Abkommen sind für Haie wichtig, reichen aber nicht allein. CITES kann den grenzüberschreitenden Handel regulieren, etwa mit Flossen, Kiemenreusen oder Fleisch. Ob ein Tier in Küstengewässern gefangen, angelandet, verkauft oder wieder freigelassen wird, entscheidet sich aber im Alltag über nationale Gesetze, Fischereikontrollen und lokale Durchsetzung.
Genau deshalb ist der Schritt politisch interessant. Madagaskar und Sansibar übertragen internationale Schutzdynamik in nationales Recht. Für Arten, die durch Beifang, gezielte Fischerei und Flossenhandel unter Druck stehen, kann diese Übersetzung vom Konferenztisch in konkrete Verordnungen der wichtigste Teil der ganzen Schutzkette sein.
Die Our Ocean Conference 2026 findet vom 16. bis 18. Juni in Mombasa statt. Als erste Our-Ocean-Konferenz auf afrikanischem Boden legt sie einen besonderen Fokus auf Küstengemeinschaften, Biodiversität, Fischerei und Meeresschutz in Ostafrika.
Welche Haiarten im Fokus stehen
Besonders deutlich ist die Lage beim Weißspitzen-Hochseehai. Die Art lebt weit draußen im offenen Meer, gerät aber häufig in Langleinen- und Thunfischfischerei und war über Jahrzehnte stark vom internationalen Flossenhandel betroffen. Wenn ein Land diese Art vollständig national schützt, geht es also nicht um ein einzelnes Riff, sondern um Regeln für pelagische Fischerei, Anlandungen und Handel.
Walhaie sind für den Westlichen Indischen Ozean zugleich Schutzsymbol und Wirtschaftsfaktor. In Regionen wie Madagaskar, Mosambik und Tansania spielen sie für verantwortungsvollen Meerestourismus eine sichtbare Rolle. Vollschutz hilft hier nicht nur einzelnen Tieren, sondern schafft auch Planungssicherheit für Gemeinden und Anbieter, die lebende Großtiere langfristig wertvoller machen als tote.
Hammerhaie und Fuchshaie zeigen eine andere Seite des Problems. Beide Gruppen umfassen Arten mit langsamer Fortpflanzung, hoher Anfälligkeit für Beifang und teils hohem Wert im Flossenhandel. Dass Sansibar den Schutz ausdrücklich auf diese Gruppen ausweiten will, macht die Maßnahme für küstennahe Fischerei und Kontrollen besonders relevant.
Was das für Hai-Tourismus bedeutet
Für Taucherinnen und Taucher ist der Westliche Indische Ozean nicht nur eine Karte mit Schutzgebieten, sondern ein zusammenhängender Lebensraum. Walhaie, Riffhaie, Hammerhaie, Rochen und andere Großfische bewegen sich über politische Grenzen hinweg. Tourismus kann davon profitieren, wenn Länder dieselbe Grundidee verfolgen: lebende Haie und Rochen sind ein ökologischer und wirtschaftlicher Wert.
Gute Schutzregeln ersetzen allerdings kein gutes Management auf dem Wasser. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Regeln mit klaren Artlisten, Meldepflichten, Beifangregeln, Kontrollen in Häfen und realistischen Alternativen für betroffene Fischerinnen und Fischer verbunden werden. Ohne Durchsetzung bleibt Vollschutz ein starkes Signal, aber noch kein wirksamer Bestandsschutz.
Ein regionales Signal
Die WCS ordnet die Ankündigungen in eine größere Entwicklung ein: Vor wenigen Jahren war der globale Handel mit vielen Hai- und Rochenarten kaum reguliert. Inzwischen sind deutlich mehr Arten international erfasst, und Staaten beginnen, diese Verpflichtungen in nationale Schutzlisten, Fischereiregeln und Schutzgebietsplanung zu übertragen.
Für Madagaskar und Sansibar ist das auch ein Signal an die Region. Der Westliche Indische Ozean hat noch echte Chancen auf funktionierende Hai- und Rochenbestände, aber nur, wenn Schutzpolitik nicht bei Absichtserklärungen stehen bleibt. Die angekündigten Regeln sind deshalb ein wichtiger Anfang. Der nächste Test beginnt in Häfen, auf Booten und in den Behörden, die aus Schutzversprechen tägliche Praxis machen müssen.







