Die Regierung von Neuseeland hat einen überarbeiteten Nationalen Aktionsplan für den Schutz und das Management von Haien genehmigt. Nach der am 14. August 2026 veröffentlichten Mitteilung des neuseeländischen Department of Conservation soll der Plan den Umgang mit Beifang verbessern, nicht fischereibedingte Gefahren stärker berücksichtigen und Perspektiven der tangata whenua besser in das Haimanagement einbeziehen.
Naturschutzminister Tama Potaka nennt mindestens 113 Haiarten in den neuseeländischen Gewässern. In der Mitteilung wird der Begriff weit im Sinne des Aktionsplans verwendet und umfasst die Knorpelfische, zu denen neben echten Haien auch Rochen und Chimären gehören. Sieben Arten seien wegen ihres Schutzstatus vollständig geschützt, elf weitere würden wegen ihrer Bedeutung für traditionelle, Freizeit- und kommerzielle Fischerei über das Quotenmanagementsystem bewirtschaftet.
Beifang vermeiden und Überlebenschancen nach dem Fang erhöhen
Ein zentraler Schwerpunkt ist die Vermeidung von Fängen geschützter und nicht gezielt befischter Arten. Wenn ein Fang nicht verhindert werden kann, sollen bewährte Handhabungs- und Freilassungsmethoden eingesetzt werden. Ziel ist, Verletzungen zu begrenzen und den Tieren nach der Rückkehr ins Meer die größtmögliche Überlebenschance zu geben.
Das ist bei Haien besonders relevant, weil viele Arten langsam wachsen, spät geschlechtsreif werden und nur wenige Nachkommen produzieren. Selbst eine im Vergleich zu schnelllebigen Fischarten geringe zusätzliche Sterblichkeit kann Populationen deshalb über lange Zeit belasten. Der Plan soll Schutz und eine als nachhaltig eingestufte Nutzung gemeinsam steuern.
Der Plan nimmt mehr als Fischerei in den Blick
Die überarbeitete Fassung benennt laut Regierung auch Gefahren außerhalb der Fischerei: Krankheiten, Verschmutzung, Meeresmüll, biologische Risiken durch eingeschleppte Organismen, Klimawandel und die Verschlechterung von Lebensräumen. Damit wird Haischutz nicht allein als Frage von Fangmengen und Freilassung behandelt.
Für einen Inselstaat im südwestlichen Pazifik ist dieser breitere Ansatz entscheidend. Küstenentwicklung und Sedimenteintrag können flache Kinderstuben beeinträchtigen, während Erwärmung und veränderte Meeresbedingungen Verbreitung, Nahrung und Fortpflanzung beeinflussen. Welche konkreten Maßnahmen der genehmigte Plan dafür vorsieht, führt die Pressemitteilung jedoch nicht im Einzelnen aus.
Tangata whenua und Haie als taonga
Nach Angaben der Regierung integriert der Plan Perspektiven und Werte der tangata whenua stärker. Haie werden dabei als taonga, also als kulturell bedeutsame und geschätzte Lebewesen, sowie in ihren Beziehungen zu anderen Arten und zur gesamten Meeresumwelt betrachtet. Damit soll mātauranga Māori deutlicher in Forschung und Management einfließen.
Diese Einbindung geht über eine Übersetzung westlicher Managementbegriffe hinaus. Sie kann beeinflussen, welche Fragen gestellt, welche Lebensräume priorisiert und wie Veränderungen in Ökosystemen bewertet werden. Die Mitteilung nennt allerdings weder Entscheidungsstrukturen noch konkrete Mitwirkungsrechte oder Messgrößen für diesen Anspruch.
Fortschreibung früherer Maßnahmen
Potaka stellt den Plan als Fortsetzung bereits bestehender Maßnahmen dar. Dazu zählt das seit 2014 geltende Verbot des Shark Finning, also des Abtrennens der Flossen mit anschließendem Verwerfen des Körpers, sowie verbesserte Leitlinien für den sicheren Umgang mit geschützten Haien und deren Freilassung.
Die Regierungsmitteilung ist eine politische Zusammenfassung, nicht der vollständige Plantext. Sie nennt keine zusätzlichen Budgets, neuen gesetzlichen Schutzgebiete, verbindlichen Reduktionsziele oder Fristen. Wie ambitioniert die Überarbeitung praktisch ist, wird sich daher erst an den veröffentlichten Maßnahmen, Zuständigkeiten, Daten und überprüfbaren Ergebnissen beurteilen lassen.

