Walhaie sind Snack-Jäger: Kameras zeigen sechs neue Fressweisen

Kameras auf fünf Walhaien und rund 100 ausgewertete Studien ergeben den bisher umfassendsten Verhaltenskatalog der Art – darunter sechs neu beschriebene Fressweisen.

Sharky21. Juli 2026
Walhai bei der Nahrungssuche, aufgenommen von einer Kamera auf seinem Rücken
Screenshot aus dem AIMS-Video

Walhaie gleiten nicht nur gemächlich mit geöffnetem Maul durch Planktonwolken. Neue Forschung des Australian Institute of Marine Science (AIMS) und der Murdoch University zeigt ein überraschend vielseitiges Repertoire: Die größten Fische der Erde nutzen zahlreiche Strategien, um kleine, ungleichmäßig verteilte Beute in unterschiedlichen Tiefen zu erwischen.

Die Forschenden befestigten Kameras an den Rückenflossen von fünf Walhaien am Ningaloo Reef in Westaustralien. Zusätzlich werteten sie rund 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen aus. Daraus entstand ein Katalog mit 36 Verhaltensweisen – nach Angaben des Teams die bislang umfassendste Zusammenstellung für den Walhai.

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Zwölf Verhaltensweisen dienen der Nahrungssuche

Zwölf der 36 beschriebenen Verhaltensweisen hängen mit der Nahrungssuche zusammen. Sechs davon werden erstmals wissenschaftlich beschrieben. Diese Vielfalt ist bemerkenswert, weil Walhaie als Filtrierer oft auf ein einfaches Bild reduziert werden: großes Maul auf, Wasser hindurchströmen lassen und Plankton ausfiltern. Die Aufnahmen zeigen, dass die Tiere ihr Verhalten deutlich flexibler anpassen.

Walhaie fressen winzige Beute wie Plankton und Ruderfußkrebse. Solche Organismen sind in tropischen Meeren selten gleichmäßig verteilt, sondern bilden räumlich und zeitlich begrenzte Ansammlungen. Wer davon genug aufnehmen will, muss viele Gelegenheiten nutzen. Das Forschungsteam bezeichnet die Walhaie deshalb sinngemäß als dauernde Snack-Jäger des Meeres.

Mit offenem Maul sinken

Zu den neu beschriebenen Strategien gehört das langsame Gleitfressen. Dabei öffnet der Walhai sein Maul und lässt sich absinken, während Wasser und Beute durch den Filterapparat strömen. Das Tier muss für diese Abwärtsbewegung nicht ständig aktiv schwimmen und kann so auch weniger auffällige Nahrungsschichten nutzen.

Eine weitere Strategie ist das Tauchfressen. Der Walhai schwimmt dabei aktiv steil in Richtung Meeresboden und nimmt auf dem Weg möglichst viel Beute auf. Die Aufnahmen ergänzen damit Beobachtungen an der Oberfläche um eine Perspektive, die Forschenden vom Boot aus weitgehend verborgen bleibt.

Langsames Fressen in allen Tiefen

In den Kameradaten war langsames Fressen die häufigste beobachtete Form der Nahrungssuche. Besonders wichtig: Dieses Verhalten trat in allen von den Kameras erfassten Tiefen auf. Walhaie suchen Nahrung also nicht nur an der Oberfläche, an der Menschen sie bei saisonalen Ansammlungen besonders leicht sehen.

Das verändert nicht die grundsätzliche Einordnung als Filtrierer, wohl aber das Verständnis ihres Alltags. Sichtbare Fressereignisse an der Oberfläche sind nur ein Ausschnitt. Ein erheblicher Teil der Nahrungssuche kann tiefer stattfinden und verschiedene Bewegungsmuster umfassen, je nachdem, wo sich gerade ausreichend Beute konzentriert.

Mehr Strategien als andere große Filtrierer

Nach Einschätzung der Forschenden verfügen Walhaie über mehr unterschiedliche Fressweisen als andere große Filtrierer wie Bartenwale oder Riesenhaie. Dazu gehören aktive Saugbewegungen ebenso wie das passive Filtern beim Gleiten. Diese Flexibilität könnte erklären, wie die Tiere in warmen tropischen Meeren bestehen, obwohl Nahrung dort oft knapp und fleckenhaft verteilt ist.

Der Vergleich macht den Walhai nicht zu einem klassischen Jäger großer Beute. Seine Spezialisierung bleibt das Filtern kleiner Organismen. Neu ist vielmehr die Bandbreite der Bewegungen, Positionen und Tiefen, mit denen er diese winzige Beute erschließt.

Tierkameras schließen eine Beobachtungslücke

Kameras direkt am Tier zeigen die Umwelt aus Sicht des Walhais. Sie dokumentieren, was außerhalb der kurzen Begegnungen mit Booten, Tauchern oder Schnorchlern geschieht. Dadurch lassen sich Bewegungen mit dem geöffneten Maul, die Ausrichtung im Wasser und Reaktionen auf Beuteansammlungen unmittelbar miteinander verbinden.

Der zugrunde liegende Fachartikel in Marine Biology kombiniert diese neue Kameraperspektive mit dem Wissen aus der Literatur. Das macht den Katalog zu mehr als einer Sammlung spektakulärer Aufnahmen: Er schafft ein einheitlicheres Vokabular, mit dem künftige Studien Walhai-Verhalten beschreiben und vergleichen können.

Ningaloo Reef als sichere Speisekammer

Das Ningaloo Reef ist eines der bekanntesten saisonalen Sammelgebiete für Walhaie. Die neuen Ergebnisse unterstreichen seine Bedeutung als Nahrungsraum. AIMS-Forscherin Luciana Ferreira beschreibt das Gebiet als geschützte Speisekammer, in der die Tiere immer wieder kleine Mahlzeiten finden können.

Für den Schutz folgt daraus eine praktische Frage: Nicht nur Orte mit spektakulären Fressansammlungen an der Oberfläche sind wichtig. Auch tiefere Nahrungsschichten und die Prozesse, die kleine Beutetiere konzentrieren, gehören zum Lebensraum der Walhaie. Schutz und Management müssen deshalb das gesamte dreidimensionale Nahrungsgebiet in den Blick nehmen.

Erwähnte Arten

Walhai rhincodon typus

Walhai

Quellen

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