Trinidad und Tobago: Falscher Marderhai und 20 mögliche neue Tiefseearten entdeckt

Eine lokal geleitete Expedition vor Trinidad und Tobago fand 25 kalte Quellen, 20 mögliche neue Arten und 54 Arten, die dort noch nie erfasst worden waren.

Sharky26. August 2026
Falscher Marderhai schwimmt über felsigem Tiefseeboden vor Trinidad und Tobago
Ein Falscher Marderhai (Pseudotriakis microdon) in 1.086 Metern Tiefe vor Trinidad und Tobago. Aufnahme: ROV SuBastian / Schmidt Ocean Institute, CC BY-NC-SA 4.0; auf 2:1 zugeschnitten.

Die erste von einem karibischen Team geleitete Tiefsee-Expedition vor Trinidad und Tobago hat 25 aktive kalte Quellen, 20 möglicherweise neue Arten und zahlreiche neue Landesnachweise dokumentiert. Das Team aus Trinidad und Tobago kartierte im Juli 2026 mit dem Forschungsschiff Falkor (too) mehr als 11.335 Quadratkilometer Meeresboden im Karibischen Meer. Unter den gefilmten Tieren war ein Falscher Marderhai (Pseudotriakis microdon) in 1.086 Metern Tiefe.

Die einmonatige Fahrt war nach Angaben des Schmidt Ocean Institute die erste lokal geleitete und bislang umfassendste Tiefsee-Erkundung des Inselstaats. Etwa 13 Prozent des zuvor nicht kartierten Meeresbodens im Staatsgebiet wurden neu vermessen. Das ferngesteuerte Tauchfahrzeug SuBastian lieferte Bilder, sammelte Proben und half, Hinweise aus den Sonardaten direkt am Grund zu überprüfen.

219 Blasenströme führten zu 25 kalten Quellen

In den Kartendaten erkannte das Team 219 Blasenströme. Solche Austritte können auf kalte Quellen, im Englischen cold seeps, hinweisen. Dort gelangen unter anderem Methan und Schwefelwasserstoff aus dem Sediment. Der Name bedeutet nicht zwingend, dass das Wasser besonders kalt ist; er grenzt diese langsamen Austritte von heißen hydrothermalen Quellen ab.

SuBastian bestätigte 25 dieser Lebensräume visuell. Die größte entdeckte Fläche maß ungefähr einen halben Acre, also rund 0,2 Hektar, und war dicht mit Muscheln und Röhrenwürmern besiedelt. Grundlage des Nahrungsnetzes sind chemosynthetische Bakterien: Sie gewinnen Energie aus chemischen Verbindungen statt aus Sonnenlicht und versorgen so Gemeinschaften weit unterhalb der lichtreichen Zone.

Aufnahmen der Expedition „Deep Wonders of Trinidad and Tobago“. Video: Schmidt Ocean Institute, CC BY-NC-SA 4.0; weboptimierte Fassung in 720p.

20 mögliche neue Arten – aber noch keine formalen Beschreibungen

Zu den mindestens 20 mutmaßlich neuen Arten zählen ein Oktopus der Gattung Graneledone, Korallen, fleischfressende Schwämme und Springkrebse. Drei Funde könnten sogar bislang unbekannte Gattungen repräsentieren. Der Oktopus war bereits 2014 beobachtet worden, damals reichten Bilder und Proben jedoch nicht für eine Bestätigung.

Die Formulierung „möglicherweise neu“ ist entscheidend. Erst der Vergleich von Körpermerkmalen, Genetik und Museumsmaterial kann klären, ob eine Art tatsächlich noch nicht wissenschaftlich beschrieben wurde. Die Expedition meldet deshalb Kandidaten, keine bereits gültig benannten neuen Arten.

Neben dem Falschen Marderhai sah das Team Chimären, sogenannte Geisterhaie, sowie einen Schwarzen Schlinger mit stark gedehntem Magen und den Kadaver eines Mantarochens in 1.025 Metern Tiefe. Ein leuzistisches Exemplar derselben Art war 2025 bei den Azoren dokumentiert worden. Der jetzige Fund ist ein neuer Expeditionsnachweis, kein weiterer Bericht über Leuzismus.

Mindestens 54 Arten waren zuvor noch nie in den Gewässern von Trinidad und Tobago erfasst worden. Dazu gehören neben Chimären auch knochenfressende Osedax-Würmer, die umgangssprachlich als Zombie-Würmer bezeichnet werden. Ein neuer Landesnachweis ist jedoch nicht dasselbe wie eine neue Art: Das Tier kann anderswo längst bekannt sein und nun erstmals für dieses Seegebiet belegt werden.

Mehr als 700 Proben bleiben im Land

Das Team sammelte über 700 Exemplare. Sie werden im Zoologischen Museum der University of the West Indies in St. Augustine aufbewahrt und sollen dessen Tiefsee-Sammlung auf etwa das Zwölffache vergrößern. Damit bleiben wichtige Vergleichsobjekte in Trinidad und Tobago und stehen dort für taxonomische und ökologische Forschung zur Verfügung.

Zusätzlich nahmen Forschende Wasser- und Schwammproben für Umwelt-DNA auf. Organismen hinterlassen genetische Spuren im Wasser; Filtrierer wie Glasschwämme können diese Signale aus großen Wassermengen anreichern. Solche Daten ergänzen Video und Fangproben, ersetzen aber nicht die formale Untersuchung möglicher neuer Arten.

Ein „gefrorener Zoo“ für karibische Tiefseearten

Erprobt wurde auch ein neues Frostschutzmittel für lebendes Gewebe. Es soll Zellen beim Einfrieren vor Schäden schützen, die bei direkter Tiefkühlung oder flüssigem Stickstoff auftreten können. Gewebe von mehr als 86 Arten tief lebender Schwämme, Korallen und Seegurken wurde so kryokonserviert. Daraus entsteht eine Referenzsammlung, an der künftige Veränderungen der Ökosysteme untersucht werden können.

Mit DORIS testete die Expedition außerdem ein experimentelles, vergleichsweise kostengünstiges Kamera- und Bildgebungssystem. Das Gerät wird von Ocean Discovery League und Blue Robotics entwickelt. Wenn sich solche Systeme bewähren, könnten auch Forschungseinrichtungen mit kleineren Budgets regelmäßiger eigene Tiefseedaten erheben.

Eine riesige unbekannte Zone – und dennoch menschliche Spuren

Ein Bericht von Discover Wildlife hebt hervor, dass weniger als 0,001 Prozent des Tiefseegebiets des Landes erforscht seien. Zugleich liegen 93 Prozent des Staatsgebiets unterhalb der üblichen Grenzen des Sporttauchens. Die neuen Karten erfassen deshalb eine große, ökologisch bedeutende Zone, die vom Menschen kaum direkt gesehen wird.

Völlig unberührt ist sie trotzdem nicht. SuBastian filmte auch menschlichen Abfall am Meeresboden. Der Fund liefert noch keine quantitative Müllbilanz, zeigt aber, dass selbst sehr tiefe und bislang nicht besuchte Orte mit menschlichen Einträgen verbunden sind.

Daten für Schutzgebiete und lokale Entscheidungen

Die Karten, Artenlisten und biologischen Proben sollen in die Meeresraumplanung von Trinidad und Tobago einfließen. Kalte Quellen sind räumlich begrenzt und zugleich hoch spezialisierte Lebensräume. Ihre genaue Lage ist deshalb wichtig, wenn Fischerei, Rohstoffnutzung, Kabeltrassen oder künftige Meeresschutzgebiete bewertet werden.

Besonders ist nicht nur die Zahl der Funde, sondern auch, wer die Expedition führte. Die wissenschaftliche Leitung lag bei der trinidadisch-tobagischen Meeresbiologin Diva Amon; ein großer Teil des Teams kam aus dem Inselstaat. Proben, Kompetenzen und Daten sollen so nicht nur von außen erhoben, sondern dauerhaft in der Region verankert werden. Ob aus den 20 Kandidaten tatsächlich neue Arten werden, zeigen nun die Analysen an Land.

Erwähnte Arten

Falscher Marderhai schwimmt frontal auf eine Tiefseekamera zu

Falscher Marderhai

Quellen

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