Eine neue wissenschaftliche Analyse hat erstmals eine weltweite Karte veröffentlicht, die deutlich macht, in welchen Meeresregionen Haie und Rochen besonders dringenden Schutz benötigen. Die Ergebnisse sollen Entscheidungsträgern, Schutzorganisationen und politischen Gremien helfen, Schutzgebiete gezielt dort auszuweisen, wo die Bestände am stärksten gefährdet sind und besonders große Erholungschancen bestehen.
Warum eine Schutzkarte wichtig ist
Haie und Rochen gehören zu den am stärksten bedrohten Großgruppen der Meeresfauna. Viele Arten wachsen langsam, werden spät geschlechtsreif und bringen nur wenige Nachkommen hervor. Diese Lebensstrategie macht sie besonders empfindlich gegenüber Überfischung, illegalem Fang und Lebensraumverlust. Laut globalen Studien sind über ein Drittel aller Hai- und Rochenarten als gefährdet oder stärker eingestuft.
Bisherige Schutzmaßnahmen konzentrieren sich oft auf einzelne Regionen oder isolierte Schutzgebiete. Die neue Karte dagegen liefert erstmals ein globales, räumlich detailliertes Bild, welche Gebiete Priorität für neue Meeresschutzgebiete (MPAs) haben sollten, um Populationen nachhaltig zu stabilisieren.
Schwerpunktzonen der Karte
Die Analyse identifiziert 816 Meeresbereiche, in denen Schutzmaßnahmen am wirksamsten wären – etwa weil dort besonders viele bedrohte Arten vorkommen oder weil Fischerei-Druck und andere Bedrohungen besonders hoch sind. Diese Hotspots liegen über Kontinentalschelfen, in Tiefseezügen und entlang von Produktionsökosystemen in tropischen wie gemässigten Regionen.
Ein Vorteil dieser Karte ist ihre Strategieorientierung: Statt Schutzflächen proportional zur Größe eines Ozeanbeckens zu schaffen, können Staaten und internationale Gremien gezielter dort eingreifen, wo der biologische Nutzen am größten ist.
Schutzbedarf trotz Fortschritten
In den vergangenen Jahren hat es wichtige Fortschritte für den Schutz von Haien und Rochen gegeben. Bei der Konferenz der Convention on International Trade in Endangered Species (CITES) wurde der internationale Handel für über 70 Arten eingeschränkt oder ganz verboten – darunter Walhai, Manta- und Teufelsrochen sowie der westliche Ozeanische Weissspitzenhai.
Solche Entscheidungen stärken den rechtlichen Rahmen, sind aber allein nicht ausreichend: Viele Bestände gehen weiterhin zurück, weil Schutzgebiete fehlen, zu klein sind oder schlecht kontrolliert werden. Zudem werden gesetzliche Beschränkungen nicht überall gleich umgesetzt und überwacht.
Wie Schutzwirkung verbessert werden kann
Die neue Karte liefert eine Grundlage, um Schutzinitiativen besser zu priorisieren. Experten betonen, dass sie in Kombination mit Bannzonen für Fischerei und Handel, effektiver Überwachung und lokaler Zusammenarbeit mit Küstengemeinden den größten Effekt erzielt.
Solche Gebietsschutzstrategien haben bereits an einigen Küstenregionen positive Effekte gezeigt – zum Beispiel, wenn Rochen- und Haiarten nach Einrichtung von Schutzgebieten wieder an Anzahl gewinnen konnten.

