Katars Umweltministerium MECC meldet eine außergewöhnlich große Ansammlung von Walhaien in den Gewässern des Landes. Wie die Qatar News Agency zum Internationalen Walhai-Tag berichtet, wurden bei einer Luftzählung an einem einzigen Tag rund 700 Tiere erfasst.
Die Zahl ist bemerkenswert, muss aber vorsichtig gelesen werden. Die Mitteilung vom 30. August 2026 nennt weder das Datum des Fluges noch die genaue Route, die Aufnahmebedingungen oder das Verfahren zur Vermeidung von Doppelzählungen. Sie belegt deshalb keine Population von exakt 700 Tieren und ist nicht automatisch eine neue Zählung aus dem August 2026.
Forschung seit 2010, neuer Katalog für einzelne Walhaie
Nach Angaben des Ministeriums läuft die Walhaiforschung in Katar seit 2010. Das Team untersucht die Populationsstruktur und identifiziert einzelne Tiere anhand ihrer individuellen Fleckenmuster. Die Arbeiten führten zum ersten nationalen Walhai-Katalog, der Wiederkehrer und mögliche Verbindungen zu anderen Teilen des Arabischen Golfes sichtbar machen soll.
Der Umweltzustandsbericht des MECC für 2025 liefert zusätzliche Größenordnungen. Zwischen 2022 und 2025 seien am Al-Shaheen-Feld saisonal mindestens 400 Walhaie zusammengekommen. Von 2022 bis 2024 wurden dem Bericht zufolge 96 Tiere per Satellit verfolgt. Die Daten zeigten eine starke Standorttreue innerhalb des Feldes, aber auch Bewegungen durch den Golf und einzelne Wanderungen in den nördlichen Indischen Ozean.
Fischeier ziehen die Walhaie nach Al Shaheen
Der Sammelplatz liegt am Al-Shaheen-Ölfeld nördlich von Katar. Dort treten Walhaie vor allem zwischen Mai und September auf. Frühere Planktonanalysen identifizierten große Mengen von Eiern der Makrelen-Thunfischart Euthynnus affinis. Die energiereichen Eier driften nahe der Oberfläche und ermöglichen den filtrierenden Haien konzentriertes Fressen.
Eine Telemetriestudie in Frontiers in Marine Science wertete 117 akustisch verfolgte Walhaie aus den Jahren 2012 bis 2016 aus. Rund 105.000 Detektionen zeigten eine deutliche saisonale Bindung an das kleine Gebiet; 27 Prozent der Tiere wurden in mindestens zwei Saisons registriert. Der längste ununterbrochene Nachweis eines einzelnen Tieres dauerte 77 Tage.
Nicht die Plattformen allein erklären die Ansammlung
Die Walhaie werden häufig in der Nähe von Öl- und Gasplattformen gesehen. Die Telemetriedaten zeigen jedoch nicht, dass die Bauwerke selbst die entscheidende Attraktion sind. Entfernung zum Zentrum des Fressplatzes und Jahreszeit erklärten die Verteilung ähnlich gut; Strömungen und der Laich der Fische dürften die Tiere an einem besonders produktiven Punkt bündeln.
Damit beschreibt die 700er-Zahl eine außergewöhnliche Momentaufnahme eines saisonalen Fressplatzes. Für einen Bestandstrend wären wiederholte, methodisch vergleichbare Zählungen nötig. Der Katalog, Fotoidentifikation, Satelliten- und Akustikdaten ergänzen sich: Sie können zeigen, welche Tiere wiederkehren, wie lange sie bleiben und wohin sie den Golf anschließend verlassen.


