Vor der russischen Pazifikinsel Sachalin könnten künftig etwas mehr Lachshaie (Lamna ditropis) auftauchen. Der Grund wäre nicht ein plötzlich wachsender Haibestand, sondern mehr verfügbare Beute: Die Bestände der Sachalin-Hokkaido-Heringe haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.
Die Einschätzung stammt laut ein Bericht aus Sachalin vom Sachalin-Zweig des VNIRO. Die Fachleute formulieren vorsichtig: Das reichere Nahrungsangebot könne mehr Lachshaie in die Küstengewässer führen, ein abrupter oder großer Anstieg werde jedoch ausdrücklich nicht erwartet. Beobachtet wurde bislang eine Zunahme der Heringe – nicht eine gezählte Zunahme der Haie.
Heringsfang erreicht den höchsten Wert seit Jahrzehnten
Offizielle Daten des russischen Fischereiforschungsinstituts VNIRO bestätigen den biologischen Hintergrund. 2025 wurden in der Ost-Sachalin-Unterzone 29.050 Tonnen Hering gefangen – der höchste Wert seit 70 Jahren. Im Frühjahr 2026 lag das Fangtempo nochmals über den Vorjahren. Später wurde die empfohlene Fangmenge für die Region auf knapp 75.000 Tonnen angehoben.
Fangmengen sind allerdings kein direkter Zähler für die Größe eines Fischbestands. Sie hängen auch von Quoten, Aufwand, Wetter und der Erreichbarkeit der Schwärme ab. In diesem Fall stützen langjährige VNIRO-Beobachtungen die Aussage, dass die Sachalin-Hokkaido-Population gewachsen ist; die Rekordfänge sind ein zusätzliches Signal.
Lachshaie folgen saisonal ihrer Beute
Lachshaie leben im nördlichen Pazifik und gehören zur Familie der Makrelenhaie. Sie können weite Strecken zurücklegen und nutzen saisonal kalte, nahrungsreiche Gewässer. Vor Sachalin folgen sie unter anderem Schwärmen von Buckel- und Ketalachsen. Wenn diese Beute abnimmt, können größere Heringsvorkommen eine alternative Nahrungsquelle bieten.
Eine solche Verschiebung wäre zunächst eine Änderung der saisonalen Verteilung, nicht automatisch eine Vermehrung der gesamten Population. Mehr Sichtungen an einem Ort können entstehen, weil vorhandene Tiere Beute konzentriert verfolgen. Für einen Bestandstrend wären über Jahre vergleichbare Erfassungen, Markierungsdaten oder standardisierte Fänge nötig.
Warum ein Hai-Boom unwahrscheinlich bleibt
Die russischen Fachleute verweisen darauf, dass große Haie in den kalten nördlichen Küstengewässern unregelmäßig auftreten. Wärmere Strömungen und höhere Wassertemperaturen können ihre Wanderungen begünstigen, die Fortpflanzungs- und Kerngebiete liegen jedoch weiter südlich. Mehr Hering allein setzt diese biologischen Grenzen nicht außer Kraft.


